Sie sind hier: >>> Filmkritik
Liebe, Sex und Leidenschaft
Cédric Kahns Inszenierung der Liebesgschichte zwischen dem mitten im Leben stehenden Martin und der jungen Cécilia bleibt sehr nah an der literarischen Vorlage des italienischen Romanciers: Der Philosophiedozent Martin leidet an einer grundsätzlichen Langeweile, bis er im Atelier des Malers Balestrier auf Cécilia trifft, ein junges Aktmodell, mit dem er eine Affäre beginnt. Aus der anfänglich rein sexuellen Beziehung, aus der Gefühle ausgeschlossen sind, entwickelt sich eine „Amour Fou„, in der sich Martin verfängt. Obwohl ihm das junge Mädchen nichtssagend und naiv erscheint, findet er etwas an ihr, das seine Leere zeitweilig ausfüllt. Im Lauf der Zeit jedoch verliert er immer mehr die Kontrolle und wird zu einem Opfer seiner eigenen Liebe.
Trotz der Nähe zum Originaltext gelingt es Kahn nicht, den roten Faden des Romans – die Reflexion über die Langeweile – adäquat mit cinematographischen Mitteln umzusetzen. Zwar erschafft er die Frau Sophie als zusätzliche Figur, der sich Martin wiederholt offenbart, aber auch dieser Kunstgriff vermag es nicht, diese Ebene zu bedienen. Im Gegensatz dazu ist die Besetzung der weiblichen Hauptrolle mit Sophie Guillemin sehr gut gelungen: Sie verkörpert den Frauentypus, den Moravia in seinem Roman beschreibt: eine Mischung aus kindlicher Naivität und „weiblicher Fülle„.
Seine erotischen Aspekte bezieht der Film dabei weniger aus den Sex- und Aktszenen als aus der Ebene, auf der sich Hingabe und Unterwerfung abspielen. Streckenweise erscheint die Verfilmung als ein Paradebeispiel für die Darstellung sexuell konnotierter Dominanz. Auf eine solche Lesart seines Films deutet auch der etwas plumpe Dialog zwischen Martin und Sophie hin, in dem sie ihm von ihren SM-Erfahrungen berichtet.
Insgesamt ist die Verfilmung also nur mittelmäßig, weil sie Potentiale des Stoffes von „La Noia„ verschenkt und sich streckenweise in schamhaft gefilmten Sexszenen verliert, anstatt eine adäquate Ausdrucksform für die der Geschichte zugrunde liegende Philosophie zu finden.
OT: L'Ennui, F / P 1998, R.: Cédric Kahn – nach dem Roman „La Noia„ von Alberto Moravia
Teilen
Zugriffe heute: 26 - gesamt: 6671.






