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Sex vom anderen Stern

Felix Mennen 

Ich stand gegen die Wand gelehnt am Rand der Tanzfläche im Kaffee Burger, legendärer Ort der Russendisko. Gespeist von Sexphantasien junger deutscher Männer auf der Suche nach exzessiver Völkerverständigung (oder Partisanenkampf) mit exotisch, lasziven Ost-Diven – meine Meinung, wenn man mich nach dem Erfolgsrezept fragen würde.
„Das Kaffee Burger ist immer noch die beste Abschlepprampe in der Gegend“, hatte mein Kumpel gemeint, mit dem ich hergekommen war – um dann vorzeitig die Biege zu machen. Und jetzt hielt ich mich hier allein an meinem Bierhumpen fest, zwischen heißfeuchten Leibern, scannte die Frauen, die sich powackelnd zu russischer Popmusik auf der Tanzfläche drehten. Mit roten Bäckchen, schweißnassen Strähnen hinters Ohr geklemmt, trotzig rausgestreckten Brüsten – redlich bemüht, aber wenig anmutig. Keine Spur von verruchter osteuropäischer Exil-Bohème. Die meisten von ihnen waren vermutlich deutsche Studentinnen, die – ja auch nicht blöd – in dem Wissen um die Begierden ihrer männlichen Kommilitonen sich als billigen Ersatz andienten. Meine Meinung, wenn man mich fragt, warum das überhaupt und immer noch funktionierte: Russendisko ohne Russinnen. Oder zumindest ohne die Art von Frauen, die man sich als junger Deutscher Mann in einer Russendisko erhoffte.
Ich nippte frustriert an meinem Bier. Der Humpen war halb leer, nicht halb voll. Es ging auf vier Uhr Morgens zu. Ich glotzte auf die Tanzfläche: schwitzende deutsche Erstsemesterinnen auf Russischer Resterampe. Nach dem Bier würde ich ebenfalls die Biege machen. So viel stand fest – dachte ich – als plötzlich ein neues Lied einsetzte, über den Helden der sowjetischen Weltraumforschung. „Gagaaaaaaarin“, sang eine Frauenstimme und plötzlich, wie aus dem Nichts, tauchte eine Frau auf der Tanzfläche auf, die sich zunächst ein wenig schüchtern – ja, beinah unbeholfen – dann aber zunehmend mutiger und immer sicherer zu der Musik bewegte, um schließlich beinah schwerelos übers Parkett zu gleiten: wie eine Eisprinzessin, deren Choreographie perfekt mit der Musik verschmilzt. Endlich eine echte russische Diva! Ich nahm einen großen Schluck aus meinem Bierhumpen – dachte, wie eine Russin sieht die eigentlich gar nicht aus, eher wie eine Kreuzung sämtlicher Rassen dieses Planeten. Auf alle Fälle versprühte sie im Überfluss genau das, was alle anderen Mitstreiterinnen neben ihr auf der Tanzfläche so schmerzlich vermissen ließen: Sex! Ihr Powackeln war kein plumpes Powackeln. Unter dem engen schwarzen Kleid zuckten ihre Arschbacken wie die Membrane einer Bassbox im Takt, gleichzeitig swingten ihre Brüste, den Gesetzen der Gravitation entfliehend, völlig losgelöst unter dem dünnen Stoff zu der Melodie, während ihr langes kastanienbraunes Haar sie umwehte. Dahinter, glaubte ich, ein naives Lächeln auf ihren Lippen zu erkennen, als ob sie es nicht nur genoss, sondern selbst ein wenig überrascht war, was die Musik da mit ihrem Körper anstellte.

 

Erotische Kunst von Lovis Wünsche 

Mir fielen beinah die Augen aus. Ohne es zu merken, hatte ich während der dreiminütigen Darbietung den Bierhumpen geleert. Und ich war drauf und dran, mir einen neuen zu holen, um dann mein Glück bei dieser Superfrau zu versuchen – was natürlich vollkommen aussichtslos war –, und es insofern das Klügste wäre, zu gehen und das Bild von ihr, wie sie mit ihrem perfekten Arsch und ihren perfekten Titten schwerelos über die Tanzfläche gleitet, nach Hause zu tragen, mir dort gepflegt darauf einen runter zu holen und dann mit den Gedanken an sie friedlich einzuschlummern...
„Hat es dir gefallen?“ Sie stand plötzlich vor mir. Lächelte mich mit makellosen weißen Zähnen an, durch die ihre Worte in lupenreinsten Deutsch geschlüpft waren. Sie war also tatsächlich keine Russin, zumindest keine aus dem Exil. Aber meinte sie wirklich mich?
Ich drehte den Kopf nach hinten: Doch da war bloß die Wand. Und ihre makellosen weißen Zähne lächelten mich immer noch an. „Glatte Sechs-Komma-Null“, sagte ich.
Der Schuss ging ins Leere: Ihre schönen großen Augen, die wie bei einer Katze leicht schräg nach oben standen – aber zum Glück nicht gelb funkelten, sondern in sanftem Braun schimmerten – sahen mich fragend an.
„Eiskunstlauf“, half ich ihr auf die Sprünge.
„Eiskunstlauf“, wiederholte sie nachdenklich, kniff ihre Katzenaugen zusammen und blickte drein, als ob sie gerade eine komplizierte Matheaufgabe im Kopf lösen würde.
Ich hätte es wissen müssen, die Sache hatte einen Haken: Sie war humorfrei oder begriffsstutzig – was letztlich nicht weit auseinander liegt –, auf alle Fälle war dieses Sexappealwunder geistig nicht ganz auf der Höhe. Sonst hätte sie mich ja auch kaum angesprochen. Ein schöner Kloppi...
Plötzlich lächelte sie: „Du meinst, nach dem alten Bewertungssystem.“
„Es gibt ein neues Bewertungssystem im Eiskunstlauf?“, fragte ich ungläubig. Das war mir doch glatt entgangen.
Sie nickte ernst und wie ein wandelndes Lexikon klärte sich mich nun im Tonfall eines freundlichen Autonavigationssystems auf: „Das alte 6.0 System wurde mit Beginn der Saison 2004/2005 von der Internationalen Eislaufunion abgeschafft und durch ein Skalensystem von eins bis zehn abgelöst...“
Während sie ihren Vortrag hielt, wagte ich verstohlen einen Blick auf ihre Brüste: Die Dinger standen vollkommen BH-los unter ihrem schwarzen Kleid. „Gefallen sie dir?“
Ich sah sie verlegen an. Sie hatte meinen Blick bemerkt. „Was?“, fragte ich dämlich drein grinsend.
Sie fasste sich an ihre Brüste, hob sie sanft an. „Willst du sie mal anfassen?“

Ich sah mich wieder um. Das ist eine Falle, dachte ich. Ich fass dran, und dann haut mir ihr Typ eins auf die Fresse. Oder sie fängt an zu schreien, dass ich sie vergewaltigen will. Da nahm sie mir bereits meinen leeren Bierhumpen aus der Hand, stellte ihn auf ein Sideboard, griff nach meinen Händen, legte sie auf ihre Brüste. „Und?“, fragte sie.
Sie fühlten sich unglaublich an. Warm und weich – und fest zugleich. „Glatte Sechs-Komma-Null.“
Sie kräuselte die Stirn.
„Ist doch nur eine Redensart“, sagte ich. „Oder wurde die von der Internationalen Eislaufunion gleich mit abgeschafft?“ Ich lächelte.
Doch sie fing wieder an, mich mit ihrer freundlich-monotonen Auto-Navi-Stimme zu belehren: „Dem neuen Skalensystem liegt eine vollkommen neue Berechnung der Wettkampfergebnisse zugrunde. Mit dem Einsatz eines digitalen Videosystems im Wettkampf sind die Preisrichter in die Lage versetzt, Elemente wiederholt zu betrachten und damit objektiver zu bewerten...“
Ich konnte ein Gähnen nicht unterdrücken. „Also gut, du hast gewonnen: glatte Zehn“, sagte ich, meine Hände immer noch auf ihren perfekten Brüsten – unschlüssig, ob ich sie vielleicht mal etwas kneten sollte. Stattdessen lies ich sie lieber los. Ein bisschen peinlich war mir das ganze ja schon.
Sie sah mich erschrocken an: „Langweile ich dich?“
„Nein“, sagte ich schnell. „Eishockey... Ich meine, Eiskunstlauf ist bloß nicht so mein Ding.“
„Und was ist dein ‚Ding’?“, fragte sie völlig ernst.
„Ich bin mehr der Fußball-Mann.“
„Fußball-Mann?“ Sie kniff ihre Katzenaugen zusammen, machte wieder so ein Gesicht, als ob sie rechnen würde. „Du bist eine Tipp Kick-Figur?“, fragte sie und blickte mich prüfend an.
„Erraten!“ Ich lachte. Sie hatte doch Humor. „Und du bist Eiskunstläuferin?“, fragte ich.
Sie verzog keine Miene, sah mich weiter prüfend an. Plötzlich schlug sie mir mit der flachen auf den Kopf.
„Aua“, sagte ich. „Was soll der Blödsinn?“
Sie zeigte auf mein Bein. „Du hast nicht geschossen.“
„Warum sollte ich schießen?“, fragte ich und rieb mir die Schädeldecke.
„Tipp Kick-Figuren schießen, wenn man ihnen auf den Kopf schlägt. Du bist kein Fußball-Mann.“
„Au Mann“, sagte ich kopfschüttelnd. „Das war ironisch gemeint.“
„Ironisch?“, fragte sie.
„Ironie – nie was von gehört?“Sie machte wieder ihr Rechengesicht. „Stimmt“, sagte sie und zitierte dann wieder freundlich lächelnd im Lexikon-Stil: „Die Ironie ist eine Äußerung welche – meist unausgesprochene – Erwartungen aufdeckt, indem zum Schein das Gegenteil behauptet wird.“

 

MitteMörderMystery ist ein Berlin-Roman von Felix Mennen aus unserem Verlag.

Ich schüttelte den Kopf: Die Tante hatte entweder gar keinen oder einen verdammt schrägen Humor. Oder sie war voll auf Drogen. Wenn sie nicht so verdammt gut aussehen würde, hätte ich sie spätestens jetzt stehen lassen.
„Und was bist du wirklich?“, fragte sie.
„Ich bin Spender“, log ich. Zufallsbekanntschaften in Bars oder auf Party verriet ich nie, dass ich Schriftsteller bin. Die Leute werden dann oft aufdringlich, weil sie das ganz spannend finden und neugierig wissen wollen, worüber man denn so schreibt – nur um dann irgendwann damit um die Ecke zu kommen, dass man, also der Schriftsteller, aus ihrem superspannenden Leben doch auch mal einen Roman machen könne, denn – so vertrauen sie einem an – eigentlich wollen sie schon immer unbedingt selbst ein Buch schreiben, wenn sie bloß die Zeit dafür finden würden. Und dann erzählen sie einem stundenlang, worum es darin gehen soll. Oder noch schlimmer, sie vertrauen dir an, dass sie selbst bereits ein Buch geschrieben haben und bitten einen, es zu lesen. Oder am Allerschlimmsten, sie bitten einen, auf irgendwelchen Lesebühnen aufzutreten, wie sie auch wöchentlich im Kaffee Burger stattfanden. Ich musterte die bildhübsche Frau in dem engen schwarzen Kleid vor mir: Vielleicht war sie eine von diesen durchgeknallten Poetinnen, die hier immer auftraten?
„Ist das ein Beruf, ‚Spender’?“, fragte sie ernst.
„Ich schlag mich damit durch“, sagte ich.
Sie machte erschrocken einen Schritt zurück.
„Ich verdiene damit mein Geld“, erklärte ich. Mir war inzwischen klar, dass sie mit deutschen Redensarten offensichtlich nicht vertraut war. Vielleicht war sie trotz ihrer perfekten Aussprache doch eine Exil-Russin? Und sie hatte irgendein neuartiges Sprachprogramm absolviert, bei dem einem die Fremdsprache durch Tiefenhypnose vermittelt wird und gleichzeitig die Stimmbänder operativ angepasst werden. Oder wie auch immer. In Russland war ja alles möglich.
„Und was spendest du?“, fragte sie.
„Alles, wofür’s Geld gibt: Blut, Plasma, Knochenmark, Thrombozyten. Und natürlich Sperma. Das bringt die meiste Kohle... Also am meisten Geld, meine ich.“
„Wie viel?“, fragte sie.
Ich lächelte. Tatsächlich hatte ich zuletzt über eine Figur geschrieben, die ihren Lebensunterhalt als Spender bestreitet, ich war also bestens informiert. „Blut bringt 25 Euro, Plasma 20, Thrombozyten 50, Kochenmark 40 und Sperma 120.“ Wobei ich unterschlug, dass man als Spermaspender 120 Euro nur für ein seltenes und sehr gefragtes Profil erhielt.
„Du erhältst 120 Euro für dein Sperma?“, fragte sie und machte ihr Rechengesicht. „Dann hast du aber ein seltenes und sehr gefragtes Profil.“
„Richtig“, sagte ich und dachte: Diese blöde Streberin. Vermutlich hatten sie ihr in Russland nicht nur ein deutsches Sprachprogramm sondern gleich noch Google und Wikipedia implantiert.
„Bist du Russin?“, fragte ich.
Sie schüttelte lächelnd den Kopf. „Das heißt, bei dir ist alles in Ordnung?“, fragte sie und guckte mir völlig unzweideutig zwischen die Beine.
Ich nickte. „Sicher“, sagte ich.
Sie trat ganz nah an mich heran. „Darf ich mal?“, fragte sie. Und bevor ich antworten konnte, griff sie mir in die Hose, tastete sich zu meinem Schwanz vor, befummelte ihn mit ihren Fingern neugierig. „Fühlt sich gut an“, sagte sie in ärztlichem Tonfall. Dann krabbelten ihre Finger weiter nach unten, zum Hodensack, tasteten ihn vorsichtig ab. „Alles dran“, sagte sie fachmännisch.
„Hab ich doch gesagt“, erwiderte ich mit einem kleinen Frosch im Hals und spürte, wie mein Schwanz zwischen ihren Fingern anfing zu wachsen. Sie spürte es ebenfalls. „Funktioniert bestens“, stellte sie fest.

 

erotische Kunst von Lovis Wünsche 

Ich sah mich um. Auf der Tanzfläche legten sich immer noch deutsche Studentinnen zu russischer Popmusik ins Zeug, während die meisten Typen besoffene drum herum standen und mit glasigen Augen vergeblich nach den echten Russinnen Ausschau hielten. Aber niemand schien sich für uns zu interessieren. Ich räusperte mich. „Verrätst du mir jetzt, wo du herkommst?“
Ihre großen Katzenaugen blickten zur Decke. Ich folgte ihrem Blick. „Zrna“, sagte sie und fing gedankenverloren an, meinen Schwanz zu massieren.
Ich schluckte. „Zrna?“, fragte ich. „Nie gehört.“
„Das liegt in der 3. Galaxie hinter der Milchstraße – von eurem Sonnensystem betrachtet.“
„Du kommst von einem anderen Planeten?“
Sie nickte lächelnd.
Ich grinste mit. Die Tante war völlig plemplem. Aber irgendwie auch süß – na ja, sie sah vor allem total scharf aus. Und sie hatte ihre Hand in meiner Hose. Vielleicht könnte ich sie zur einer Therapie überreden – und aus Dankbarkeit würde sie den Rest meines Lebens bei mir bleiben und weiter meinen Schwanz massieren. „Und was machst du hier, auf unserer Erde?“
„Unser Volk droht auszusterben“, sagte sie ernst dreinblickend.
„Verstehe“, sagte ich. „Und deswegen sollst du mal gucken, wie’s hier ist – und dann macht ihr alle rüber. Scheint der Lauf der Geschichte zu sein...“
Sie schüttelte den Kopf. „Im Zug der Evolution, haben unsere männlichen Bewohner eine Stufe der Emanzipation erreicht, auf der sie nicht nur die Lust verloren haben sich fortzupflanzen, sondern in Folge dessen sie auch ihre Samenproduktion vollkommen eingestellt haben.“ Während sie das sagte, knetete ihre Hand zunehmend hektisch an meinem Schwanz rum. „Deswegen wurde ich von meinem Volk auserwählt, um mich von einem menschlichen Wesen befruchten zu lassen.“
„Gute Wahl“, sagte ich. „Oder sehen die Frauen bei euch alle so aus?“
„Ich wurde für eure Bedürfnisse transformiert.“ Sie lächelte. „Also, hilfst du mir?“
„Wobei?“, fragte ich scheinheilig.
Sie knetete meinen Schwanz. „Bei der Befruchtung.“
„Ich weiß nicht“, keuchte ich. „Ich meine, das kostet dich dann aber mindestens das Doppelte.“
„Das ‚Doppelte’?“
„Vom Preis einer Samenspende.“
„Du willst 240 Euro dafür?“ Sie hörte auf meinen Schwanz zu kneten.
„Vergiss es. War’n Witz.“
Sie hob die Augenbrauen. „Ach, das war ironisch gemeint?“
„Nein, das war einfach nur ein blöder Scherz.“
„Wieso blöd?“, fragte sie vollkommen ernst.
„Wir Menschen machen manchmal blöde Scherze. Einfach so. Ohne Grund“
Sie kräuselte die Stirn. „Das glaube ich nicht.“
Ich seufzte. „Gut, du hast wie immer Recht. Es gibt Tausend Gründe, blöde Scherze zu machen: Übermut, Verlegenheit oder weil man jemand necken will, den man eigentlich mag. Wenn einem zum Beispiel eine bildhübsche Frau an einem öffentlichen Ort ihre Hand in die Hose steckt und einen bittet, sie zu befruchten, dann kann es schon mal passieren, dass man, weil man sein Glück kaum fassen kann, einen blöden Scherz macht.“
Sie kniff ihre Katzenaugen zusammen: „Das heißt also, du hilfst mir?“
Ich nickte.
Sie strahlte, zog ihre Hand aus meiner Hose und wollte sie nun mit beiden Händen öffnen.
Ich umklammerte ihre Handgelenke. „Nicht hier.“
„Wieso nicht?“, fragte sie.
„Zu viele Menschen.“
Sie zeigte Richtung Toilette.
„Zu unbequem“, sagte ich. „Wir können zu mir gehen. Ich wohne nicht weit.“
Sie lächelte. „Einverstanden.“

***
Zehn Minuten später standen wir in meiner Wohnung. Elli – sie hatte mir unterwegs ihren Namen verraten – sah sich neugierig mit ihren Katzenaugen um. „Hübsche Einrichtung“, sagte Elli.
„Danke“, sagte ich. „Stammt noch von meiner Frau.“
„Deine Frau?“, fragte Elli. „Ist sie hier?“
Ich schüttelte den Kopf. „Wir sind geschieden.“
Elli sah mich mit großen Augen an. „Spendest du deswegen Samen?“
„Möglich“, sagte ich und ging zur Anlage. „Ich leg mal Musik auf.“ Ich flippte die CDs im Regal auf der Suche nach einer passenden Befruchtungs-Musik durch. „Magst du Portishead?“
Ich drehte mich zu Elli, sie machte ihr Mathegesicht, rezitierte ihr implantiertes Lexikon: „Gegründet 1993 von Geoff Barrow, der aus der kleinen Stadt Portishead nahe Bristol...“
„Ich hab dich gefragt, ob du sie magst“, unterbrach ich sie.
Elli zuckte mit den Schultern. Ich schmiss ohne weitere Fragen die Live-CD ‚Roseland NYC’ rein, die ersten Töne von „Humming“ ertönten. Elli hob aufmerksam die Augenbrauen, dann zog sich ein Lächeln über ihre Lippen, sie fing an, sich sanft im Takt zu wiegen. Sie sah fantastisch aus, in ihrem hautengen schwarzen Kleid in meiner Wohnung
„Wie lange bleibst du eigentlich, Elli?“
Sich weiter im Takt wiegend, sah Elli mich mit ihren großen Katzenaugen an – im Kaffee Burger hatte ich noch gedacht, sie wären braun, doch jetzt fiel mir auf, dass sich darin das gesamte Farbspektrum mischte.
„Ich meine, nach der Befruchtung – musst du da gleich wieder weg?“
„Sofort“, sagte Elli. „Der Rückweg nach Zrna dauert sehr lange.“
„Und wenn ich dich begleite? Also nur für denn Fall, dass bei der Befruchtung irgendetwas schief geht.“
„Das wird leider nicht gehen.“
„Verstehe“, sagte ich. Hier ging es nicht um Gefühle, sondern nur um Sex.
„Willst du was trinken?“, fragte ich.Elli nickte.

 

Erotische Kunst von Desperado Maria Eros 

Ich lief in die Küche, blickte in den Kühlschrank, das einzige, was ich darin fand, war eine angebrochene Falsche Absinth. Ich füllte zwei große Café Latte-Gläser mit Eiswürfeln, kippte den grünen Absinth drüber und gab einen Schuss Leitungswasser dazu. Ich probierte: Tränen schossen mir in die Augen. Da hatte ich mich wohl mit dem Mischungsverhältnis etwas vertan. Was soll’s? Ich lief mit den Drinks zurück ins Wohnzimmer. Dort hatte sich Elli inzwischen mit den Portisheads metamorphosiert – vielmehr ihr Körper mit der Musik. Schlangengleich bewegte sie sich barfuss in ihrem hautengen Kleid durch den Raum. In meiner Hose braute sich eine Erektion zusammen.
Ich trat zu ihr, hielt ihr eine der Absinth-Latten hin. Sie nahm das Glas und betrachtete das hellgrüne Gebräu darin neugierig. „Was ist das?“
„Absinth“, sagte ich – und bevor sie ihr Mathegesicht machen konnte, fügte ich hinzu: „Besteht aus Wermut, Anis, Fenchel und jede Menge Alkohol.“ Ich stieß mit ihr an. „Prost!“
Elli nippte an ihrem Glas. „Lecker“, stellte sie fest und kippte den Rest samt Eiswürfeln auf Ex runter. Ohne mit der Wimper zu zucken.
Ich sah sie erschrocken an: Was, wenn sie tatsächlich eine Außerirdische war? Blödsinn! Schnell nahm ich einen großen Schluck Absinth, bekam Tränen in die Augen. Elli grinste mich mit ihren Katzenaugen an – sie waren plötzlich hellgrün, wie der Absinth. Sie stellte ihr Glas ab.
„Fangen wir an“, sagte sie und lupfte die Träger ihres Kleids über die Schultern, schälte den schwarzen Stoff über ihren makellosen Busen nach unten über die Hüfte, von wo aus er von allein zu Boden glitt und ein dunkles Dreieck entblößte. Sie trug also auch keinen Schlüpfer, stellte ich fest und spürte, wie die Erektion in meiner Hose sich sprunghaft verdoppelte.
Ich nahm noch einen großen Schluck Absinth, bekam noch mehr Tränen in die Augen, blickte verschwommen auf ihr kastanienbraun glänzendes Mösenhaar. „Haben sie dir auf Zrna vergessen, Unterwäsche einzupacken?“
Elli lächelte. „Wieder so ein blöder Scherz?“ Sie trat auf mich zu, senkte den Kopf und knöpfte meine Hose auf. Ich fasste ihr sanft an die Schultern, steckt meine Nase in ihr Haar. Es roch leicht süßlich. Meine Hände tasteten sich zu ihren Brüsten vor, während ihre Finger den Bund meiner Unterhose nach unten zogen – meine Latte sprang ihr entgegen. Sie griff sich das zappelnde Ding.
„Sehr gut“, sagte sie und sah sich mit meinem Schwanz in der Hand um. „Wo führen wir die Befruchtung durch?“
„Am besten im Schlafzimmer“, keuchte ich und stolperte völlig von Sinnen in meiner heruntergelassenen Hose los.

Meinen steifen Schwanz umklammernd lief Elli neben mir her, bis zu meinem Bett. Ich zog mich hektisch aus, ohne dass Elli meinen Schwanz los lies. Wir sanken gemeinsam auf die Matratze, und Elli versuchte, sofort meinen Schwanz in sich hineinzustecken. Wie einen Stecker in die Steckdose. Bis meine Erektion allmählich nachließ.
„Es funktioniert nicht“, sagte Elli enttäuscht.
„Du bist noch nicht feucht“, sagte ich.
„Feucht?“, fragte Elli.
„Du bist nicht geil“, sagte ich.
„Geil?“, fragte Elli.
Ging das wieder los. Ob bekloppt oder außerirdisch – Fakt war, sie hatte von Tuten und Blasen keine Ahnung. „Elli“, sagte ich, „du denkst immer nur an deine Befruchtung, den Fortbestand der Zrnianer und diesen ganz Mist. Du musst dich locker machen!“
„Locker machen?“ Elli machte ihr Mathegesicht – und bevor sie auf die Idee kam, Dehnübungen zu veranstalten, presste ich ihr meine Lippen auf den Mund.
Elli sah mich mit großen Katzenaugen an. „Was machst du da?“
„Ich küsse dich“, sagte ich und presste meine Lippen erneut auf ihren Mund.
Sie lächelte. „Das fühlt sich gut an.“
Ich küsste sie erneut. Schob meine Zunge zwischen ihre Lippen. „Du musst den Mund öffnen“, sagte ich. Elli tat es. Ich drang mit meiner Zunge hinein, leckte an ihrer Zunge, sie regte sich, erwiderte mein Spiel, erst vorsichtig, dann immer gieriger, bis ihr ganzer Körper sich anfing zu winden, sich an mir rieb.
Ich machte eine Pause. Ellis Augen strahlten, wie ein Regenbogen. Ich rutschte langsam an ihr runter, küsste ihren Hals, ihre Schultern, ihr Schlüsselbein, ihren Busen, leckte an ihren Brustwarzen, fuhr mit der Zunge zu ihrem Bauchnabel, küsste ihre Schenkel, ihre Scham.
„Was machst du da?“, hörte ich Elli fragen.
„Das dient der Befruchtung.“
„Wenn du mich unten küsst?“
„Vertrau mir“, sagte ich und strich mit der Zunge über ihre Schamlippen, öffnete sie, drang hinein, leckte mich nach oben, zu ihrem Kitzler, umspielte ihn. Während meiner Hände über ihre Schenkel strichen, über ihr Becken fuhren, ihren Bauch glitten, ihre Brüste erklommen, sie umschlossen, sie walkten, an ihren Nippeln zupften, wieder hinab glitten, ihre Hüften entlang, zu ihrem Po, ihre Backen umklammerten, spürten, wie sich ihre Muskeln anspannten. Sie hob ihr Becken, drückte sich gegen meinen Mund, rieb ihren Kitzler an meiner Zunge, fing an zu zittern. Ich schloss die Augen, tauchte in den ausbrechenden Vulkan. „Was...“, keuchte Elli, „...ist...“ – ihr Becken fing an zu zucken – „...DAS?!“, schrie sie auf. Und für einen Moment hatte ich das Gefühl, ins Leere zu fallen. Ich öffnete die Augen. Elli fasste sich erschrocken zwischen die Beine, wandte sich auf dem Bett hin und her.

Ich robbte mich zu ihr hoch. „Ich vermute, du hattest gerade einen Orgasmus.“
Elli kniff blinzelnd ihre Augen zusammen, versuchte, ihr Mathegesicht zu machen, sah dabei aus, als hätte sie einen epileptischen Anfall. „Der Orgasmus“, stammelte sie, „ist der Höhepunkt“, blinzelte sie, „des sexuellen Lusterlebens...“ Plötzlich riss sie die Augen auf.
„Du hast mich reingelegt!“
„Ich?“
Du solltest einen Orgasmus haben.“ Sie kniff wieder ihre Augen zusammen, zitierte ihr implantiertes Lexikon: „Beim Mann kommt es in der Regel während des Orgasmus zur Ejakulation.“
„Richtig“, bestätigte ich. „Ich wollte dich ja auch nur ein wenig locker machen, damit ich überhaupt in dich eindringen kann. Ich denke, wir können jetzt mit der Befruchtung beginnen.“
Sie sah zwischen meine Beine, sah, dass meine Erektion nachgelassen hatte. „Aber du bist gar nicht bereit.“
„Das wird schon wieder“, sagte ich und küsste sie. Elli war sofort wieder erregt, rieb ihr Becken an meinem Oberschenkel. Meine Erektion meldete sich ebenfalls zurück. Ich drehte sie auf den Rücken, stieg über sie. Presste meinen Schwanz zwischen ihre Beine.
„Nimm ihn in die Hand“, sagte ich.
Sie nahm ihn in die Hand. „Und jetzt?“
„Schiebst du ihn vorsichtig rein.“
Sie schob ihn vorsichtig rein. Diesmal war es kein Problem. Wie ein U-Boot tauchte ich langsam in sie ein. Bis ich auf Grund stieß. Elli wandte sich, drehte den Kopf hin und her, zitterte am ganzen Leib. Ihre Augen wechselten in Bruchteilen von Sekunden die Farben, wie eine Ampel auf LSD. Ich hielt inne, betrachte sie fasziniert, brauchte überhaupt nichts machen, spürte wir ihre Schamlippen meinen Schwanz umklammerten, an ihm saugten, ein heftiger Ruck, fuhr wie ein Blitz durch sie hindurch und plötzlich wechselten nicht nur ihre Augen, sondern ihr ganzer Körper wie ein zugekokstes Chamäleon die Farben, bis er sich für einen Moment aufzulösen schien, um dann mit einem mit einem Urknall zu ex- oder implodieren und sich wieder in die schöne Elli verwandelte.
„Du bist ja tatsächlich eine Außerirdische“, sagte ich.
„Habe ich jemals etwas anders behauptet“, keuchte Elli. „Aber du hast mich schon wieder reingelegt!“
„Ich habe überhaupt nichts gemacht.“
„Eben. Ich hatte schon wieder einen Orgasmus – und du nicht!“
Dann drehte sich mich plötzlich mit einer unbändigen Kraft auf den Rücken – als ob ich eine Strohpuppe wäre. Ihre Katzenaugen sahen sich kurz um, dann griff sie nach dem Kopfkissen, riss den Bezug auf. Die Knöpfe sprangen durch die Luft. Sie holte das Kissen raus, nahm den leeren Bezug, trennte ihn mit einem kräftigen Ruck in zwei Teile, packte mein rechtes Handgelenk und machte sich dran, es mit dem durchgetrennten Kissenbezug an das Bettgestell zu fesseln. Die Basic-Instinct-Nummer, davon hatte ich schon mein Leben lang geträumt – allerdings nicht mit einer Außerirdischen.

„Was machst du denn da?“, fragte ich.
„Ich will nur verhindern, dass du mich wieder reinlegst.“
„Ich hoffe, du hast keinen Eispickel unterm Bett versteckt.“
Elli kniff blinzelnd die Augen zusammen, „Basic Instinct“, vermeldete ihr implantiertes Lexikon, während sie mein linkes Handgelenk ebenfalls am Bettgestell festzurrte. „Amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1992, Regie: Paul Verhoeven, Hauptdarsteller: Sharon Stone, Michael Douglas...“
Sie kontrollierte die Fesseln, sah zwischen meine Beine: Er stand wie ne Eins.
„Das gefällt dir?“, fragte Elli.
Ich grinste dämlich. „Leugnen wäre wohl zwecklos“
„Um so besser“, sagte Elli, hockte sich auf mich drauf und führte mich mit einem Ruck in sie ein. „Dann wird dich diese kleine Überraschung sicherlich ebenfalls erfreuen.“ Genüsslich fing sie an, meinen Schwanz zu pumpen.
„Was für eine Überraschung?“
„Wenn du deinen Orgasmus hattest, muss ich dich leider töten“, sagte sie pumpend und sah mich eindringlich mit ihren Katzenaugen an. Sie meinte es ohne Zweifel ernst.
„Warum?“, fragte ich. „Michael Douglas überlebt in dem Film.“
„Das ist nicht sicher“, pumpte sie.
„Wenn schon: Er ist nur ein Schauspieler – und ich bin echt!“
„Tut mir Leid“, pumpte Elli schneller. „Das Risiko ist einfach zu groß, dass du die Geschichte rum erzählst.“
„Mach ich nicht, Elli, versprochen!“
Statt zu antworten, pumpte sie noch schneller.
„Außerdem glaubt mir das doch sowieso keiner...“
„Du redest zu viel.“ Elli hielt mir den Mund zu. „Falls es dir ein Trost ist: Aus deinem Erbgut wird eine ganz neue Rasse entstehen. In gewisser Form wirst du also millionenfach unsterblich.“

Ich gebe zu, diese Vorstellung war verlockend; dennoch hing ich an meinem kleinen dreckigen Leben! Ich zerrte an den Fesseln – aussichtslos. Ich versuchte mein Becken zu heben, doch Elli presste mich mit übernatürlicher Kraft gegen die Matratze. Und jedes Aufbäumen dagegen verstärkte nur noch meine Lust. Verzweifelt versuchte ich, an etwas anderes zu denken, die schrecklichsten Dinge, die ich mir vorstellen konnte. Doch was gab es Schrecklicheres als den unmittelbar bevorstehenden Tod? Und geileres zugleich – also, ich meine, auf diese Art und Weise? Mit meinem Schwanz in dieser übernatürlichen Schönheit, die mich unerbittlich pumpte.
Ich schloss die Augen. Doch das machte es nur noch schlimmer. In der Dunkelheit war ich ein einziger großer geiler Schwanz, der von einem übermächtigen Lustzentrum verschluckt wurde. Ich öffnete wieder die Augen. Elli starrte mich an. Ihre Augen fingen schon wieder an zu flimmern. Auch sie genoss es, fing an zu zittern, hatte Mühe ihren Rhythmus beizubehalten. Und das machte mich noch geiler, die Vorstellung, gleichzeitig mit ihr zu kommen. Zu ex- oder implodieren. Doch das würde meinen Tod bedeuten! Ich musste mich zusammenreißen. Ich durfte auf keinen Fall kommen!
Da fing Ellis zitternder Körper an, die Farben zu wechseln. Unkontrolliert zappelte sie auf mir rum. Ich spürte ein lustvolles Ziehen in den Eiern. Spürte, wie meine Spermien sich auf den Weg machten. Die Heerschar potentieller Zrnianer, die sich an der Abschussrampe versammelten, gegen das Tor hämmerten. Nach Erlösung schrieen. Ein Blitz zuckte durch Ellis Körper. Ich öffnete das Tor. Und verlor das Bewusstsein.

***
Es war taghell, als ich erwachte. Ich lag nackt auf dem Bett. Benommen sah ich mich um. Mit so einem komischen Gefühl, als ob ich etwas ganz Wichtiges vergessen hätte. Ich stand auf, fasste mir an den brummenden Schädel, bemerkte verwundert die Stofffetzen, die um meine Handgelenke gebunden waren, während ich ins Wohnzimmer wankte.
Dort stand ein absinth-grün leuchtender Blumenstrauß in einem Café-Latte-Glas. Daneben lag ein Briefumschlag. Ich öffnete ihn. Darin befanden sich 240 Euro. Und ein Zettel, auf dem in perfekten Schreibschriftfibel-Buchstaben geschrieben stand:

Vielen Dank für Deine Spende! Ich hoffe, mein ‚blöder Scherz’ mit dem Töten hat Dir gefallen? Zrna wird Dir ewig dankbar sein! – 1000 Küsse, Elli N.
PS: Das mit Deinem Penis tut mir Leid.

Ich sah an mir runter – dort baumelte ein Regenbogen.

Copyright Felix Mennen 2010

 

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2 Kommentare

04.01.2012 16:16 Auden James
Könnte von Faith (Lara und der Meister des Universums) sein: eine Prise Skurrilität in der locker-flockig runtergeschriebenen außerirdischsten Nebensache der Welt. Liest sich so weg. Aber sonst? ...

04.09.2010 12:29 Nucleus
So eine fantasiereiche Geschichte ist mir lange nicht begegnet. Das ist richtig gute Unterhaltung. Der Anfang schien mir etwas holprig, aber der Rest hat voll entschädigt. Das macht Spaß zu lesen. Keep on writing, wie es auf neudeutsch heißt. ;-)


 

Leser heute: 30 - gesamt: 11930.

 

 

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