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Sex mit Biss

Nikolaus Niehaus 

Warm, süß, und pulsierend. Stöhnend labt sich Agota am Blut ihres Opfers. Sex, also der klassische, war einmal. Der Blutrausch ist Agotas Orgasmus. Kräftig hat sie ihre spitzen Zähne in das weiche Nackenfleisch des Mannes geschlagen, gierig saugt sie das salzige Nass auf. Ein Nachklang von Eisen rinnt ihre Kehle herab. Erregt presst sie ihren Körper an den erkaltenden Leib. Praktisch leblos hängt der Vagabund in ihren Armen. Schmatzend entreißt sie ihm den letzten Lebensfunken. Ein Zittern durchläuft ihren Körper. Noch ein letzter Tropfen Blut. Gurgelnd stößt sie den starren Körper in die Gosse.

Nicht gerade üppig, aber Agotas dringendster Blutdurst ist gelöscht. Sie hat schon besser gespeist. Das alkoholgeschwängerte Blut des Stadtstreichers steigt ihr zu Kopf. Sie fühlt sich beschwipst. Dabei hätte sie heute ein Festmahl verdient, das kräftige Blut eines hübschen Jünglings etwa statt des lauen Saftes eines blutarmen Bettlers. Auf den Tag genau vor hundert Jahren wurde Agota zum Vamp. Mit damals 29 Jahren verwandelte sich die dunkle Schönheit in ein Geschöpf der Nacht. Immer auf der Jagd nach dem lebenspendenden Nass und stets auf der Flucht vor ihren Häschern. Fast die ganze Welt hat sie mittlerweile bereist.

Vampire leben gefährlich. Bloß nicht auffallen ist oberstes Gebot. Vampire sind Meister der Tarnung. Unabdingbar, wenn Mord das tägliche Brot ist. Selbst Agota hat erst einmal in ihrem Leben einen Vampir zu Gesicht bekommen, damals als sie gebissen wurde. Die Globalisierung, das Internet und technische Neuerungen machen Agota das Überleben in der Unauffälligkeit immer schwerer. Überall lauert Gefahr. Handykameras werden mittlerweile auf jeder Party gezückt. Was für ein Gesicht der Fotograf wohl machen würde wenn er auf dem Foto nur Agotas Schatten zu sehen bekäme, noch schlimmer wenn solche Dokumente in You Tube gepostet würden. Nicht auszudenken wenn ein entkommenes Opfer über Facebook Alarm schlagen würde. Agota meidet daher soziale Kontakte wie die Pest. Bereits vor Jahren hat sie sich auf Randgruppen spezialisiert, Obdachlose oder alte Menschen ohne soziale Kontakte, Familie oder Internetanschluss. Nicht gerade ein Gaumenschmaus aber überlebenswichtig. Heute allerdings ist ihr Jubiläumstag und Agota dürstet es nach spezieller Kost.

„Scheiß drauf. Heute gönn isch mir was Besonderes als Hauptspeise, hicks“.

Angesäuselt wischt sie sich das Blut von den vollen weichen Lippen. Sie erinnert sich an früher als ihr die Jünglinge wie Fliegen ins Netz gingen. Geblendet von Agotas weiblichen Reizen fielen die jungen Männer reihenweise in ihre nackten Arme und danach blutleer ins Grab. Bis heute rätselt Agota, weshalb ihre Opfer sterben, sie selber aber nach dem Biss zum Vampir wurde. Wie dem auch sei, ihr Schlaraffenland waren die Rotlichtviertel und ihre Opfer stets die schönsten Freier. Gierig leckt sie sich die Lippen. Dieses Blut so voll, frisch und prickelnd. Wie lange ist es her, dass sie sich das letzte Mal an einem Twen oder Teenager gelabt hat? Sicher schon über zehn Jahre.

Lange Beine, rundes Becken, schmale Taille, darüber eine dralle aber nicht zu üppige Oberweite, gekrönt von einem hübschen Antlitz mit großen grünen Augen. Wenn Agota nachts durch die Straßen läuft erntet sie geile Blicke von den Männern und Neidische von den Frauen. Heute hat Agota ihre Traumfigur in eine hautenge schwarz glänzende Lackmontur gezwängt. Sie ist auf Beutezug.

Zielstrebig, wenn auch leicht schwankend, steuert sie auf das Rotlichtviertel der Millionen-Metropole zu. Aus Erfahrung weiß sie hier ist gute Beute zu machen, man muss sich nur in Geduld üben. Mit lasziv schwingenden Hüften biegt sie in die Einfallsstraße des Viertels ein. Laut klacken die Absätze ihrer schwarzen Lackstiefel über das Pflaster.

Eine bejahrte Domina mit dürftig hoch drapiertem Hängebusen und Peitsche lehnt an einem geparkten Auto und wirft ihr einen schneidenden Blick zu. Agota mustert abfällig die runzelige Haut der Brustansätze.

„Nur die Ruhe, ich werde nicht in Deinem Revier wildern“, murmelt die Vampirfrau, „hier ist sowieso nichts zu holen. Besser ein paar Straßen weiter “

Agota bleckt die Zähne und faucht.

„Jesses“

Erschrocken lässt die Domina ihre Peitsche fallen.

Grinsend setzt Agota ihren Weg fort.

„Na Süße, wie wär's mit uns beiden?“

Eine Klaue kneift geil in ihren straffen Hintern. Grau stoppeliger Dreitagesbart, stinkender Atem, zahnloses zerknittertes Grinsen. Agota blickt in das Gesicht eines verwahrlosten Säufers.

„Verpiss Dich!“, zischt sie.

„Dreckige Schlampe“, kreischt der Kerl zurück.

Bätsch! Der Mann segelt in hohem Bogen über den Bürgersteig und landet unsanft zwischen zwei Mülltonnen.

„Genau dort gehörst Du hin“, schnaubt Agota.

„Was für ein Weib...“, krächzt der Alte und bleibt benommen im Müll liegen.

Rot fällt der Lampenschein durch die Fenster auf die Straße. Schwarze Scherenschnitte verführerischer Frauenkörper räkeln sich hinter milchigen Glasscheiben. Heiße Ausstellungsware. Auf der Straße feilschen Männer mit Frauen in knappen Röckchen und langen Lederstiefeln. Aus einer dunklen Seitengasse vernimmt Agota verhaltenes Stöhnen. Rhythmisch stößt ein Freier seine Hüften zwischen die gespreizten Beine einer Hure. Ihre schmalen Hände halten seinen Kopf. Sein nackter Hintern zuckt immer schneller. Ihre blanken Schenkel wippen im Rhythmus. Ihre Finger klammern sich in seinen Nacken. Ahhh.

Agota bleibt trocken. Sex und Kopulation machen sie schon lange nicht mehr an. Ungeheure Lust bereitet ihr der Biss, das Saugen, das warme fremde Blut, das sich in ihren Körper ergießt. Agotas Sexorgan sind ihre empfindsamen Lippen und ihre scharfen Eckzähne. Wenn ihr harter Schmelz sich in das weiche Fleisch gräbt und das Blut sprudelt, der Körper des Opfers sich wehrlos an sie klammert, sie spürt wie seine Muskeln erschlaffen und das ersterbende Leben erst Strahl für Strahl und dann Tropfen für Tropfen in sie hinein sickert. Diese ungeheure Macht, dieses süße Labsal, diese totale Vereinigung, Viel besser als plumper Sex.

Wie in alten Zeiten! Erregt saugt sie das Treiben um sich herum auf. Eine Gruppe junger Männer flaniert durch die Gassen und schäkert mit der weiblichen Ware. Gierig beobachtet Agota die rosigen Wangen der Jugendlichen auf denen der erste Flaum sprießt. Die Gruppe in eine dunkle Seitengasse lotsen und sich dann blitzschnell einen nach dem anderen vornehmen. Eine Blutorgie. Agota könnte es locker mit fünf Männern gleichzeitig aufnehmen. Früher war sie bei solchen Gelegenheiten wie ein Wiesel im Hühnerstall einem regelrechten Blutrausch verfallen. Ihre Attacken kamen so schnell, dass die Opfer schon blutleer auf das Straßenpflaster platschten, ehe sie die Gefahr erkannt hatten. Aber heutzutage viel zu riskant. Besser ein einzelnes Opfer aufspüren und sicher zur Strecke bringen. Ihr scharfer Blick späht in die dunkelsten Ecken, ihre Ohren vernehmen das leiseste Geräusch, ihre Nase wittert jede noch so schwache Ausdünstung. Wie eine hungrige Raubkatze pirscht sie durch das Vergnügungsviertel der Stadt.

„Hmm“, schnuppernd hebt Agota ihre Nase in die Luft. Mit bebenden Nüstern saugt sie einen neuen, fremdartigen Duft ein: unglaublich viril, vital und wahnsinnig erregend! Ihre Brustwarzen werden steif und reiben an der Lackmontur. Sie spürt wie ihr Schoss feucht wird. Es sind nur ein paar Moleküle, aber der Effekt ist ungeheuerlich. Noch nie hat Agota solch einen Wohlgeruch wahrgenommen. Der Träger muss noch einige Straßen entfernt sein.

Agota nimmt die Witterung auf und folgt der Duftspur. Vorbei an feilschenden und kopulierenden Paaren, tropisch feuchte Hitze wabert durch die Häuserschluchten. Agotas Sinne sind nur noch auf diesen unbeschreiblichen Geruch konzentriert, der mit jedem Schritt stärker wird. Agota biegt in eine menschenleere Gasse ein. Die Duftwolke nimmt ihr fast den Atem. Der Träger müsste hier sein, aber so sehr sie auch in die dunkle Gasse späht, keine Menschenseele. Gierig saugt sie den Geruch auf, sie wittert an den rauen Hauswänden, kniet auf den Boden und schnüffelt mit verzweifelter Gier über das Pflaster, versucht die Fährte, die so plötzlich verschwunden ist, wieder aufzunehmen.

Hmm, verunsichert blickt sie sich um. Ein warnendes Kribbeln fährt durch ihren Bauch, Agotas Nackenhaar stellt sich auf. Sie kennt das Gefühl.

Sie wird beobachtet!

Alarmiert richtet sie sich auf. Mit einem Satz hechtet sie auf einen Balkon im zweiten Stock über ihr und erforscht die Umgebung von dort aus. Nichts, niemand zu sehen! Aber das Gefühl bleibt:

„Jemand beobachtet mich“.

Das erste Mal seit hundert Jahren spürt Agota wirkliche Angst. Bisher war sie immer der Jäger, aber jetzt fühlt sie sich plötzlich gejagt.

„Besser ich mische mich unter das Volk“.

Agota springt vom Balkon und flüchtet aus der menschenleeren Gasse in das rege Treiben der Hauptstraße. Absurd, noch nie hat sich Agota unter Menschen begeben, um sich sicher zu fühlen. Ein Widerstreit der Gefühle tobt in ihr. Enttäuschung, Angst, Gier und Erleichterung.

Noch immer hängt das wundersame Bukett in ihrer Nase. Gehetzt blickt sie sich um.

„Werde ich verfolgt?“

„Ach was, bis der Geruch verfliegt vergeht noch ein Weilchen. Hier bin ich erst mal sicher“, beruhigt sich die Vampirin.

Die Lust Beute zu schlagen ist Agota vergangen.

„Hier ist nichts mehr zu holen. Zeit nach Hause zu gehen“.

Enttäuscht macht sich Agota auf den Heimweg. Abwesend schlendert sie durch die Straßen. Die Gruppen werden immer spärlicher, nur noch vereinzelt bieten sich Prostituierte an. Laut knallen Agotas Absätze über das einsame Straßenpflaster. Klar glitzern die Sterne am Nachthimmel, der Mond ist voll, riesig und bleich.

Aprubt hebt Agota ihre Nase in die Luft. Da ist er wieder dieser Geruch! Deutlicher als zuvor.

„Verdammt!“

Agota huscht mit großen Sätzen über die Straße und kauert sich hinter einen Müllcontainer. Mit angehaltenem Atem beobachtet sie die Straße. Da, ein Schatten gleitet vorbei. Unglaublich schnell. Agota nimmt nur Konturen wahr. Wie ist das möglich? Noch nie hat Agota jemanden gesehen der sich so schnell bewegt. Ihr Blutdurst meldet sich wieder. Katzengleich schlängelt sie sich aus ihrem Versteck und nimmt die Verfolgung auf. In sicherem Abstand folgt sie der Fährte. Alle ihre Sinne sind aufs Äußerste angespannt:

„Diesmal lasse ich mich nicht mehr veräppeln“.

Lautlos huscht sie über den Asphalt. Immer weiter führt sie die Spur weg von vertrauten Wegen und Straßen. Immer spärlicher werden die Häuser. Die Fährte führt sie in einen verwilderten Park. Dunkel ragen die Bäume in den Himmel. Das schwarze Blätterdach fängt den Mondschein ab. Agota schleicht durch fast totale Finsternis.

Die Baumkronen rauschen, es knackt über ihr!

Agota blickt auf. Ein schwarzer Schatten fällt auf sie herab.

„Hallo, schöne Frau“

Ein kräftiger Arm hat Agota von hinten in den Würgegriff genommen. Sie versucht sich zu befreien. Aber seine Kraft ist übermenschlich. Sie fühlt wie die freie Hand des Unbekannten über ihre Oberschenkel gleitet, ihren Schoss betastet, ihren Bauch streichelt und ihren weichen Busen massiert. Hilflos, empört aber auch erregt versucht sich Agota mit einem Kopfstoß zu befreien.

„Sei doch nicht so widerspenstig. Du willst es doch auch“

Tief raunt die Stimme des Mannes an ihrem Ohr. Hitzig nimmt sie den Duft seines Atems wahr. Das harte Glied des Unbekannten presst gegen ihren Po. Fast unwillkürlich beugt sich Agota leicht nach vorne. Die pralle Eichel seines Schaftes schiebt sich von hinten zwischen ihre Schenkel. Durch mehrere Lagen Stoffes knetet sein gewaltiges Organ ihre Vulva. Agota stöhnt. Noch nie, seit ihrem Dasein als Vampir, hat Agota ein männliches Geschlecht so erregt. Sein harter Schmelz kneift in ihr zartes Nackenfleisch. Sie greift zwischen ihre Beine. Ihre Finger umkosen sein hartes Glied, das prall gegen den Schritt seiner Hose drängt. Der Würgegriff hat sich gelöst, seine Hände massieren ihren herabfallenden Busen. Sein Penis stößt fordernd gegen ihren nassen Schoss. Hitzig nesteln ihre Finger an seinem Hosentürchen. Ratsch, der Schaft drängt durch den geöffneten Schlitz. Mit einem entschiedenen Griff streift Agota den dünnen Stoff seiner Boxershorts von seinem Organ. Lüstern umgreift sie den pulsierenden Muskel zwischen ihren Schenkeln. Geil spürt sie seine kräftigen Hände unter ihre enganliegende Lederhose wandern. Seine Finger versinken in ihrer nassen Spalte. Sie stöhnt als seine Hände ihren Gürtel lösen und ihre Hose samt Slip über das Becken ziehen. Läufig präsentiert sie seinem Glied ihre nackte Scham. Schmatzend schiebt sich seine pralle Eichel zwischen ihre nassen Lippen. Hart fährt sein dralles Organ tief in ihren erhitzten Unterleib. Keuchend kopulieren die Leiber in der einsamen Finsternis des Parkes. Sie lässt sich nach vorne auf den Boden fallend. Ohne sich von ihr zu lösen folgt er ihr nach und stößt sein langes Geschlecht weiter in ihre Spalte. Ahh, der Orgasmus. Ein ekstatisches Zittern durchfährt ihren Körper. Sein Penis walkt weiter rhythmisch in ihrem Schoss. Sie stemmt sich in die Höhe und dreht sich geschmeidig auf den Rücken. Bernsteinfarben glühende Augen, ein ebenmäßiges Gesicht und zwei weiße Eckzähne.

„Ich habe es geahnt. Ein Vampir. Ich treibe es mit einem Vampir“.

Das Wesen über ihr ist viel älter und mächtiger als Agota. Ein Urvampir, einer aus der ersten Generation hat sich gierig über sie gebeugt. Grunzend sucht er mit seiner Eichel ihren offenen Schoss. Bleckend zerreißt er ihr Oberteil. Weiß und weich fallen die Brüste auf ihren Brustkorb. Lechzend treibt er seine Lenden zwischen ihre blassen Schenkel. Tief versinkt sein Penis in ihrer Vagina. Erregt umklammert sie seine stoßenden Hüften. Ah, schmatzend treibt der Vampir seine spitzen Hauer in ihren Nacken. Das Blut rinnt aus ihrem Körper in seinen Rachen. Sie spürt wie sie matt wird. Mit zarten Fingern umfasst sie seinen Hals und schlägt ihre Zähne in sein Fleisch. Würzig sprudelt sein Blut in ihren Mund. Seine Kraft füllt ihren Körper. Eine animalische Geilheit erfasst sie. Ineinander verkeilt wälzen die beiden Körper über den Boden. Die totale Vereinigung. Er ist tief in ihr. Ihr Blut strömt ineinander. Sein Geschlecht treibt zum Bersten prall durch ihren Unterleib. Wild zuckend wirft sie sich ihm entgegen. Schaurig schreiend entlädt er sich in ihrem orgastisch aufbäumenden Leib.

Hui. Das war der beste Orgasmus ihres Lebens. Mit ausgestreckten Armen und gespreizten Beinen liegt sie auf dem Boden. Ist es das Blut des Fremden? Agota fühlt sich nach dem Akt nicht erschöpft aber unsagbar müde. Wie durch einen Schleier sieht sie den Unbekannten davon huschen. So wie er gekommen war, einem Schatten gleich. Dann übermannt sie der Schlaf. So tief und friedlich wie noch nie. Ihr halbnackter Leib liegt auf dem trockenem Laub wie in einem Himmelbett. Sie träumt von der goldenen Sommersonne die ihre Wangen wärmt, von dem frischen Sommerwind der ihre Schenkel umspielt, von dem kristallklaren Seewasser das ihre Füße kühlt.

Ein seliges Lächeln liegt noch immer auf ihren Lippen als sie erwacht. Zum ersten Mal seit hundert Jahren erblickt sie die Sonne, die ihre brennenden Strahlen durch das Blätterdach schickt.

 

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