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Die Lust 2 - Schamlos

Ric 

Es war eine harte Woche. Ein Gerichtstermin jagte den nächsten und als wäre das nicht genug, verfolgten mich nächtelang Schlafstörungen; das Leben so ganz alleine, auch in noch so weichen Laken, ist manchmal grausam.
Ich hatte mich schon fast daran gewöhnt, bis in die frühen Morgenstunden halbe Bücher zu wälzen und überlegte ernsthaft Urlaub zu nehmen, um den Gründen für diese andauernde Schlaflosigkeit auf den Grund zu gehen, als eines Morgens der Anruf kam. Jede Erschöpfung war mit einem mal verflogen. Es ist zugegebenermaßen nicht ganz einfach sich neben meiner Tätigkeit in der Kanzlei Zeit dafür zu nehmen Frauen verborgene und oft genug ganz besondere Wünsche zu erfüllen. Aber wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich gerade diese Stunden ganz besonders schätze, dass ich mir genau hier einen außergewöhnlichen und spannenden Ausgleich hole. Dabei ist es nicht so, dass ich darauf angewiesen wäre. Ich genieße das Privileg ` Nein ´ sagen zu können, wenn ich merke, dass die Chemie zwischen mir und einer Kundin nicht stimmt oder ihre Ansprüche zu hoch gesteckt sind. Doch meist ist es nicht schwer geheime Wünsche oder Vorlieben zu erraten. Nur eines ist mir wichtig: wenn ich mich dafür entschieden habe, muss es perfekt werden. Selbst wenn es anfangs einfacher aussieht, als es ist.
Und so war es auch in diesem Fall, denn man deutete mir schon am Telefon an, dass dieser Job kein einfacher werden sollte. „Sie hat uns zum ersten Mal gebucht“, sagte die Sekretärin. „Und so, wie sie klingt, braucht sie nicht nur einfach einen Mann.“
„Sondern?“, wollte ich wissen.
„Na ja, so speziell wie sie klang, hab ich an dich gedacht. Es hörte sich nach einem Spiel an. Ganz ehrlich, ich weiß nicht was dich erwartet.“
Ok, mal sehen. An Spielchen war ich inzwischen gewöhnt.
Es war einer der letzten einigermaßen warmen Tage des Jahres und als ich am Treffpunkt, einem kleinen Café am Museeumsufer, ankam, war ich gespannt. Gespannt wie jedes Mal, wenn ich die Frau, mit der ich möglicherweise ein paar ganz besondere Stunden verbringen werde, zum ersten Mal sehe. Ich entdeckte sie sofort zwischen den vielen Gästen allein an einem der Tische; mit gesenktem Kopf, eigentlich unscheinbar und brav. Ja, mir kam sogar kurz der Gedanke, dass ja keiner der anderen Gäste des Lokals wusste, was diese ganz und gar unspektakulär erscheinende Frau gerade vorhatte. Niemand ahnte, welcher Art der Vertrag war, den sie mit einem völlig Fremden geschlossen hatte. Und dieser Fremde war ich.
Sie hatte mich noch nicht gesehen und ich nutzte diesen Umstand um sie erst mal genau in Augenschein zu nehmen. Anfang Dreißig, weite Klamotten, wahrscheinlich schlanke Figur; ich suchte nach Anhaltspunkten, Hinweisen oder Auffälligkeiten, Dinge oder Bewegungen, die mir etwas über ihre Persönlichkeit erzählen würden. Ihr Stil sich zu kleiden, die Atmosphäre, die sie umgab.
Dann öffnete ich in Gedanken ihre Augen, ihre Arme und letztendlich ihre Beine und stellte mir vor, wie sie duftete und wie ihre Stimme klang. Schon daran kann man meist erkennen, wie Frauen ticken, mit wem man es zu tun hat. Schubladen tun sich auf. Gefüllt mit meinen Erfahrungen und zugegebenermaßen oft auch Phantasien. Dabei spielen Sympathien oder Dissonanzen keine Rolle; sie hat bezahlt und bekommt dafür das Bestmögliche. Und genau so hatte ich es auch an diesem Tag vor.
Sie schlürfte irgendeine Saftschorle und spielte mit ihrem Handy, sah dabei aus wie irgendein Jugendlicher. Dabei hatte sie die Grenze zur Dreißig sicher schon seit ein paar Jahren überschritten.
Langsam näherte ich mich und sprach sie mit den vereinbarten Worten an.
„Entschuldigung, ich habe meinen Schlüssel verloren. Sie haben ihn nicht zufällig gesehen?“
Sie sah auf und ihr Gesicht nahm doch tatsächlich einen leicht rötlichen Ton an. Zwinkernd versuchte sie mich im blendenden Sonnenlicht zu fixieren.
„Nein“, murmelte sie und packte nervös ihr Handy weg. „Äh, doch natürlich.“
Schüchtern, ging es mir sofort durch den Kopf. Vielleicht verklemmt oder ängstlich. Aber ihre Stimme war angenehm. Mädchenhaft weiblich und trotzdem voll. Mein erster Eindruck war der von Ehrlichkeit. Hätte ich damals schon gewusst, wie sehr ich mich geirrt hatte ...
Ich nahm den freien Stuhl und setzte mich, locker, lässig, mit einem einnehmenden Blick über ihr Gesicht schweifend. „Ich hoffe Sie warten noch nicht lange.“ Ein gängiger Versuch, das Gespräch in Gang zu bringen. „Philipp. Und Sie heißen?“ Ich hielt ihr meine Hand hin.
Sie ergriff sie und schenkte mir nur einen vorsichtigen Händedruck, unsere erste kurze Berührung. „Clara. Und nein, ich warte noch nicht lange.“ Mir fiel auf, dass sie es vermied mich direkt anzusehen. Ich sollte möglichst nichts in ihren Augen lesen. Es ist ihr peinlich, dachte ich. Oder sie führt einen inneren Kampf, den sie vor mir verbergen möchte. Na ja, erste Eindrücke täuschen ja manchmal, also verdrängte ich dieses Gefühl, das mich instinktiv vor Schwierigkeiten warnte.
Ich ließ ihr in der kleinen Pause, die zwischen uns entstand, die Zeit die ich dachte sie brauchte sie. Dann entledigte ich mich meiner Jacke und rückte mich bequem auf dem Stuhl zurecht. „Erzählen Sie mir doch mal was über sich“, schlug ich vor. „Was machen Sie beruflich, gibt es Wünsche? Oder ist da noch irgendwas, das ich wissen sollte? Vielleicht haben Sie bestimmte Pläne, wie Sie sich den Abend vorstellen.“
Einen kurzen Augenblick sah sie mich nun doch an. Ihre Augen vermittelten mir Nervosität, was eigentlich völlig normal in dieser Situation war. Aber da war noch etwas anderes, Verborgenes, das kurz darin aufblitzte. Wie eine erstklassige Denkmaschine, die nichts dem Zufall überlässt. Wahrscheinlich, schätzte ich, brauchte sie noch etwas Zeit zum Auftauen.
„Oh, ich … ich weiß nicht “, begann sie und strich sich beiläufig durchs kurze blonde Haar, „ja, klar, Sie wollen bestimmt wissen, was so auf Sie zukommt.“ Sie lachte fast ein bisschen es sah aber leicht gestresst aus. „Kann ich verstehen. “
Die Bedienung brachte meinen Espresso und ich betrachtete mir Claras Gesicht. Sie hatte sich nur leicht geschminkt, fast so, als wolle sie unauffällig bleiben, bloß nicht aus der Menge hervorstechen.
„Ist das bei Ihnen das erste Mal?“, fragte ich weiter, als wir wieder allein waren. „Ich meine, haben Sie schon Erfahrung mit solchen Treffen oder vielleicht etwas ähnlichem?“
„Nein“, gab sie zu und diesmal klang sie ehrlich. Sie spitzte die Lippen und sah plötzlich aus, als müsste sie innerlich über einen Scherz lachen. „Ich hab einfach jemanden wie Sie gebraucht. Und Ihre Agentur soll in Sachen Lust... na ja, sagen wir mal, etwas Besonderes sein.“ Bei den letzten Worten senkte sie ihre Stimme und sah mir wieder direkt ins Gesicht, als suche sie in meinen Augen nach einer Reaktion. Sie wollte mich testen, mich herauslocken, eigentlich genau so wie auch ich es versuchte.
Als sie sah, dass ich lächelte, lächelte sie auch und nickte. „Klar wissen Sie, was ich meine.“
Irgendwie merkte ich, dass diese Frau mit mir spielte. Gerade, dass sie versuchte so viel wie möglich hinter Andeutungen zu verstecken, weckte mein Interesse es zu finden.
„Also sollte dieser nette Tag wahrscheinlich einen sinnlichen Ausklang bekommen, hab ich Recht?“, fragte ich weiter und überlegte kurz, ob ich zu schnell zu viel wissen wollte.
„Ja ‚ ähm, ich hatte vor mit Ihnen eine kleine private Veranstaltung zu besuchen. Also, wir wären nicht völlig unter uns. Was aber nicht heißt, dass Sie etwas tun müssten, was unüblich ist.“
Unüblich ... Ich hätte gleich fragen sollen, was sie sich darunter vorstellte. Aber wenn wir neue Kundinnen treffen, versuchen wir sie nicht gleich zu verschrecken. Erlaubt sind allenfalls Andeutungen, kleine Hinweise darauf, was alles möglich ist. Also entschied ich mich dafür ihr schon mal was zu Denken zu geben und checkte dabei gleich ihre Grenzen in Bezug auf Nähe. Ich rührte in meinem Espresso, legte den Löffel weg und berührte dabei wie zufällig kurz ihre Hand. Es war nur eine kleine, unabsichtlich wirkende Berührung.

 

„Also es ist ja so: Sie haben mich gebucht. Und innerhalb dessen stehe ich Ihnen völlig mit meinem Körper und meiner ganzen Persönlichkeit zur Verfügung. Da ist eigentlich alles möglich, was gefällt. Es gibt nichts Unübliches. Für mich ist es nur etwas einfacher, wenn ich mich darauf einstellen kann, was Sie erwarten. Alles, was ich möchte ist, dass Sie einen schönen, unvergesslichen Abend mit mir erleben. Ich bin dabei unwichtig.“
Clara nickte und ordnete irgendwie verlegen ein Zuckertütchen. „Ich habe einen Freund. Nicht dass Sie denken … also, nicht dass Sie glauben ich hätte sowas nötig.“ Sie ließ mir einen Augenblick Zeit etwas zu sagen, aber ich sah sie nur an, wartete.
„Und heute wurde ich eingeladen. Eigentlich mit ihm. Ich arbeite als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni. Soziologische Fakultät. Und der Leiter eines Projekts hat mich und die anderen des Teams mit ihren Partnern heute zu diesem abschließenden Treffen in eine Villa eines seiner Bekannten beordert. Er wohnt nicht selbst dort, meinte nur, dass wir uns dort viel besser … na ja, fühlen werden.“ Sie holte tief Luft und machte eine verzweifelt wirkende Geste. „Dieser Prof ist ein großes Tier im gesamten Fachbereich. Ich hab schon überlegt abzusagen. Aber er legt leider den größten Wert darauf, dass alle, die an dem Projekt arbeiten, heute Abend kommen. Da hab ich keine Wahl.“
„Und Ihr Freund möchte nicht“, versuchte ich ihr zu helfen. Aber sie schüttelte nur den Kopf und presste die Lippen zusammen.
„Nein, es ist anders. Ich möchte ihn nicht dabei haben. Sie sind sozusagen seine Vertretung.“
Ein soziologischer Abend. Also viel Wein, Geplauder und Selbstbeweihräucherung unter Studienkollegen. Ich zuckte mit den Schultern. „OK, ich denke das wird kein Problem sein. Sofern diesen Freund niemand ihrer Kollegen kennt, nehme ich einfach seinen Platz ein. Aber das Erste wird das Du statt ein Sie sein, oder?“ Ich gab ihr wieder die Hand und sie schüttelte sie artig.
„Ok, du. Sein Name ist übrigens Albert. Und wir sind erst ein paar Wochen zusammen. Da kennt Sie … Entschuldigung, dich niemand.“
Gut, also war ich an diesem Abend Albert.
Wir verloren keine Zeit und nach einer knappen viertel Stunde Fahrt erreichten wir die Villa, von der Clara gesprochen hatte. Sie lag in einem der wohlhabenderen Vororte der Stadt und sein riesiger, parkähnlicher Vorgarten ließ schon auf einen dickeren Geldbeutel des Besitzers schließen.
Sie läutete die Glocke und ein Endfünfziger, den mir Clara als Professor Wünsler vorstellte, öffnete uns persönlich die Tür. Gutgelaunt bat er uns in die große Eingangshalle in der er mit seinem Dreitagebart und den jugendlichen Shorts wie ein Urlauber aussah.
Leichter Bauchansatz, sympathische Ausstrahlung, schoss es mir durch den Kopf und ich entspannte mich.
„Und Sie sind Albert“, stellte er mit unbekümmertem Ton fest und schüttelte mir die Hand. Seine wachen Augen taxierten mich von Oben bis Unten während wir unsere Jacken auszogen. Ich versuchte möglichst unauffällig und unscheinbar zu wirken, gab mich wortkarg, doch der Professor zog mich auf dem Weg zum Wohnzimmer zur Seite und flüsterte mir schnell ein „Schön, dass Sie kommen konnten. Es wird Ihnen bestimmt gefallen“, ins Ohr.
Im Wohnzimmer hatten schon drei Paare und einige alleinstehende Herren auf der hellen, ledernen Wohnlandschaft Platz genommen. Ich betrachtete den riesigen Kamin, in dem schon ein hübsches Feuerchen loderte und hörte die Frauen miteinander kichern. Auf dem dunklen Holzfußboden lag ein riesiger runder Flauschteppich und die bodenlangen Vorhänge an den Fenstern waren zugezogen. Jetzt verstand ich auch die Shorts des Herrn Wünsler, denn mir brach sofort der Schweiß aus, so heiß war es. Während es sich Clara, nach einem kurzen Nicken in Richtung der Anwesenden, auf einem der freien Sessel nieder ließ, beschloss ich mich erst einmal umzusehen.
„Die Toiletten?“, fragte ich den Prof, der gerade mit zwei Weinflaschen das Zimmer betrat. Er deutete geschäftig hinter sich in den Flur. „Zweite Tür links. Ach, dort können Sie auch Ihre Garderobe loswerden.“
Ein paar Schritte später, gerade, als ich überlegte, was er wohl gemeint haben könnte, kamen mir zwei Männer entgegen. Beide trugen T-Shirt und kurze Hosen. Ich stutzte. Und spätestens jetzt war mir klar, dass dieser Abend nichts mit Geplauder, Kennenlernen und Nettigkeiten zu tun haben würde. In dem großzügigen Bad bespritzte ich mir das Gesicht erst einmal mit kaltem Wasser und zog mir mein Hemd und die Socken aus. Dann ging ich barfuß, in langer Hose und T-Shirt zurück ins Wohnzimmer. Clara unterhielt sich mit einem der älteren Herren, den sie offensichtlich näher kannte. Ich nahm mir ein Glas Wasser und setzte mich auf einen der freien Stühle, der nahe genug bei Clara stand. Wir sollten immerhin als Paar durchgehen. Langsam füllte sich der Raum mit gutgelaunten Menschen und ich überlegte gerade, warum Clara nicht jemand aus ihrem Bekanntenkreis gefragt hatte. Eigentlich gab es auch keinen Grund dafür, nicht den Original-Albert mitzunehmen. Hier gab es Getränke, in der Küche waren kalte Köstlichkeiten angerichtet und er hätte Claras Kollegen kennen gelernt. Sie saß jetzt neben mir, sah mich mit einer deutlich gespannten Mine an und ich wollte sie gerade fragen, ob alles in Ordnung war, als sich der Professor neben dem Kamin aufbaute und um Ruhe bat. Entspannt blickte er in die Runde und lächelte.
„Jetzt, da alle da sind, möchte ich euch noch einmal begrüßen.“ Er nickte lächelnd. „Ihr wisst, dass unsere Arbeit die letzten Monate vor allem ein Thema hatte. Die Scham. Und da Scham immer auch etwas mit den Blicken der anderen zu tun hat, werden wir genau daran heute Abend zusammen arbeiten.“ Er lachte auf aber es klang nervös. „Ja, ich denke das, was wir bisher einzeln oder in kleinen Arbeitsgruppen zusammen getragen haben, war zwar wichtig, aber Theorie ist eben auch nicht alles. Was soll es für einen Sinn haben, wenn alle Thesen und Erfahrungsbeispiele gesammelt wurden, man sich dem Thema aber nicht praktisch nähert. Also werden wir uns heute, zum Abschluss der Arbeit, neben dem Feiern einfach einmal die Praxis ansehen. Und wie wir wissen gehört zur Scham auch, dass sich der Schämende durch irgendeinen Umstand minderwertig fühlt.“ Er drehte sich um, nahm eine Sporttasche von einem Beistelltisch und zog ein Bündel Klamotten heraus. Eins der Kleidungsstücke, war eine weite, hellbraue Cordhose. Ein Modell, das mich an meinen Opa erinnerte, wenn er im Garten arbeitete. An ihren Seiten baumelten altmodische Hosenträger. Auf den Gesichtern der anderen machte sich ein Lächeln breit, einige lachten laut auf, riefen Kommentare. Er legte die Hose auf den Tisch und griff wieder in die Tasche. Das Teil, das er jetzt hoch hielt, war ein kurzer, karierter Faltenrock, der wohl aus den siebziger Jahren stammte. Dazu hatte er eine passende Bluse mit Stickerei ausgesucht. Insgesamt extrem geschmacklos und peinlich. Zudem in einer riesigen Konfektionsnummer.
„So“, nahm er wieder den Gesprächsfaden auf. „Hier sitzt das Publikum.“ Mit ausschweifendem Schwung deutete er auf den Bereich in dem die Wohnlandschaft, die Barhocker und Stühle in einem Halbkreis um den Kamin angeordnet waren. Dann ging er mit zwei Schritten zu dem offenen Platz vor dem Kamin.
„Und hier Unten, den Blicken aller ausgesetzt, befinden sich die Beschämten. Wichtig ist der Augenkontakt, das will ich nochmal betonen. Und dass sie eure Blicke sehen, ja sie sogar spüren.“ Der Professor machte eine kleine Denkpause, dann sah er kurz zu Clara und mir herüber und lächelte. Einen winzigen Augenblick hatte ich den Eindruck, sie kommunizierten über ihre Blicke, dann wandte er sich ab und sprach weiter.
„Obwohl das Thema im Grunde natürlich sehr viel mit Gewalt zu tun hat, bitte ich euch trotzdem diesen Aspekt auszusparen. Aber das nur am Rande. Ich denke in diesem Breich reicht uns völlig die Theorie.“ Der Professor sah sich noch einmal schmunzelnd die Mienen seiner Gäste an und blieb in meinem Gesicht kurz hängen. Irgendwie checkte ich in genau diesem Augenblick, dass etwas nicht stimmte; ich spürte instinktiv, dass ich mich so schnell wie möglich auf etwas Merkwürdiges einstellen sollte.

 

Porno Royal ist eine Anthologie erotischer Geschichten vierschiedener Autoren. Herausgeberin ist Tanja Steinlechner und verlegt wird der Band von unserem Portal "Erotisches zur Nacht"

Er sprach weiter: „Da wir natürlich unbekannte Helden für ein realistisches Szenario brauchen, habe ich zwei ganz ausgezeichnete Kandidaten ausgewählt. Sie sind hier so gut wie niemandem bekannt und eigenen sich deshalb besonders gut.“ Er ging zu einem der Sofas, nahm eine hübsch gekleidete, dunkelhaarige Frau an der Hand und kam mit ihr zu Clara und mir herüber. Mir fiel sofort die Unsicherheit und Spannung auf, die sich im Gesicht der für den Altersdurchschnitt der Gäste viel zu jungen Frau widerspiegelte. Als die beiden vor uns standen, schienen ihre Hände vor Aufregung leicht zu zittern und sie hatte Gänsehaut, als friere sie trotz der Hitze, die im Zimmer herrschte. Clara stand auf, als der Professor sich erwartungsvoll vor uns aufbaute. Doch während er sie kaum beachtete, nickte er mir auffordernd zu. Es dauerte nur ein, zwei Sekunden, da wusste ich: er meinte tatsächlich mich. Und während ich in ihren Augen nach einer Erklärung suchte, trat Clara neben mir mit leichter Nervosität von einem Bein auf das andere. Kurz überlegte ich mich zu weigern. Dann begriff ich, wie wenig Sinn es hätte und ergab ich mich meinem Schicksal. Also folgte ich mit zusammen gepressten Lippen Wünsler und der immer nervöser werdenden Frau auf die Fläche vor dem Kamin. Nun ist es nicht so, dass ich nicht mit unvorhergesehenen Situationen umgehen kann; dann hätte ich wahrscheinlich den falschen Job. Aber in diesem Augenblick, muss ich zugeben, hatte ich Probleme den Fluchtinstinkt, der sich umgehend bei mir meldete, zu unterdrücken. Ich warf Clara einen letzten hilfesuchenden Blick zu, aber sie drehte sich sofort weg. Biest, durchfuhr mich ein Gedanke.
Der Prof gab uns mit zufriedenem Blick die Kleider, mir die Hose und der Kleinen neben ihm den Rock und die Bluse.
„Ich verstehe nicht ganz“, flüsterte ich ihm so leise wie möglich zu und bemerkte nebenbei, wie sich unser Publikum allmählich von den Plätzen erhob und näher kam. „Wir ziehen uns jetzt diese Kleider an, ja? Und das war´s schon?“ Ich forschte in seinem Gesicht nach einer Rechtfertigung für sein merkwürdiges Verhalten.
Doch er zog nur die Augenbrauen zusammen und sah mich belustigt an. „Clara hat ihnen doch schon alles gesagt“, erklärte er ebenfalls mit gesenktem Ton und machte dabei ein Gesicht, als verstände er meine Frage nicht. „Sie befinden sich heute vor dieser wunderschönen Kulisse in einem rechtsleeren Raum. Jedenfalls was die allgemeinen Grundrechte betrifft. Aber machen Sie sich keine Sorgen, es gibt ja noch den Notfallcode.“
Ok, ein Notfallcode als rettender Anker, schön und gut. Gab es hier ein solches Wort, kannte ich es nicht. Andererseits: was sollte schon groß passieren? Mich vor allen nackt auszuziehen und diese absurde Opa-Hose anzulegen war ja wohl nichts Aufregendes.
Bevor ich weitere Fragen stellen konnte, wandte sich der Professor wieder seiner Zuhörerschaft zu. „Also, diese entzückende junge Frau, deren Namen außer natürlich ihrem Freund dahinten“, er deutete anonym in die Menge, „keiner von uns kennt und dieser Mann, auch ein Unbekannter in dieser Runde, haben sich freundlicherweise bereit erklärt uns heute Abend als …“, er schien fast schon verlegen nach dem richtigen Wort zu suchen, „na ja, als experimentelle Zielscheibe zu dienen.“ Er trat aus dem Kreis, der sich um uns gebildet hatte und so standen wir nun da.
Neben mir hatte die Dunkelhaarige schon angefangen mit fahrigen Bewegungen den Reißverschluss ihres Kleids aufzuziehen. Ihr Blick war angespannt, sie bekam ihn fast nicht auf. Also holte ich tief Luft und schlüpfte aus dem Shirt und warf es vor mir auf den weichen Teppich. Ich wollte gerade die Knöpfe meiner Hose öffnen, als einer der Zuschauer, ein großer Blonder, der aussah wie ein Schwede, mit dem Finger auf mich zeigte und lachte. „Seht euch seinen Rücken an. Der reinste Affe!“
Ich verstand: So wie ich die Rolle des Deppen hatte, stand es den anderen zu uns zu demütigen. Und anscheinend hatte ich jetzt meinen ersten Spitznamen weg. Nicht dass es mir etwas ausmacht, wenn sich jemand an der dichten Behaarung meines Oberkörpers stört. Immerhin fallen mir spontan eine Handvoll Frauen ein, die genau dieses männliche Attribut an mir schätzen. Doch den Sinn des Ganzen verstand ich nicht. Ich spielte den Beschämten und sie die Beschämenden – und alle wissen, dass es ein Spiel ist? Das war doch Kinderkram! Trotzdem kam mir dieses edel eingerichtete Wohnzimmer mit all seinen teuren Möbeln plötzlich ziemlich surreal vor. Wahrscheinlich empfing hier der Hausherr normalerweise seine Gäste und protzte mit seinem Reichtum. Und nun war es zur Bühne für dieses entwürdigende Spiel mutiert. Einer Gesellschaft, die wohl meint sich an keine Normen halten zu müssen.
Ich sah, wie sich einige der weiblichen Gäste neben meine Leidensgenossin gestellt hatten und versuchten sie mit kleinen Sticheleien aufzuziehen. Eine zog sie an ihren langen Locken und machte verächtliche Bemerkungen über den Haarschnitt. Die Männer dagegen hatten sich auf mich eingeschossen.
„Pass auf, jetzt lässt er gleich die Hose fallen“, witzelte ein kleiner Dicker, der lässig ein halbvolles Weinglas in der Hand hielt. „Ich wette der Affe hat ´nen Winzpimmel.“
Ok, jetzt hatte er mich. Wenn ich etwas nicht besaß, dann war es so etwas wie ein Winzpimmel. Ich spürte, wie sich mein Herzschlag beschleunigte, wie ich versuchte die Kontrolle zu behalten.
Sie hatten es also schon zu Anfang geschafft mich zu demütigen und vor allem das ärgerte mich maßlos. Ich musste mich schon sehr zurück halten nicht auszurasten. Denn genau das kündigte sich gerade in meinem Gehirn an. Ich versuchte mich zu beruhigen, denn so, wie ich es verstanden hatte, war es nicht erlaubt aus seiner Rolle zu fallen; ich vermute wir Opfer hatten den Job alles still zu ertragen. Wahrscheinlich sollten wir in einer Gesprächsrunde danach weinerlich erzählen, wie wir uns gefühlt haben. Aber die Tatsache, dass mich Clara nicht vorgewarnt hatte, erlaubte es mir, meiner Meinung nach, durchaus die Spielregeln zu brechen. Ich schob mich also körpernah an den dicklichen Kleinen heran und lächelte ihm kalt ins Gesicht. Meine Muskeln sind durch regelmäßige Besuche im Fitness-Center recht ansehnlich und ich weiß, dass sie unter Umständen bedrohlich wirken können. Und so machte er stolpernd einen Schritt zurück, sah mich kurz erschrocken an und ich konnte für einen Augenblick seinen Schweiß riechen. Angst, schoss es mir amüsiert durch den Kopf. Gleichzeitig warnte es in mir: keine Gewalt. Ich ließ ihn also stehen, machte die letzten Knöpfe meiner Hose auf, schob sie herunter und schlüpfte aus den Hosenbeinen. Also stand ich nun in Shorts da. Eigentlich hätte ich nun dieses bizarre Opakleidungsstück anlegen sollen, aber ich entschied mich anders. Wie gesagt: durch Claras Zugeknöpftheit fühlte ich mich an nichts gebunden.
Meine Leidensgenossin hatte inzwischen den albernen Faltenrock und die bestickte Bluse angezogen. Sie stand etwas verloren mit zusammen gepressten Lippen und gesenktem Kopf neben mir und ließ die abschätzenden Bemerkungen der anderen tapfer über sich ergehen. Sie schien sowieso das willkommenere Opfer zu sein, denn sie bediente mit ihrer hilflosen Ausstrahlung viel besser die Erwartungen der Zuschauer.
Einer der Männer rief so etwas wie: „Dumme Gans! Sieh dich doch mal an!“ Er machte eine wegwerfende Bewegung und stieß einen angewiderten Ton von sich. „Wie billig sie riecht, ich krieg gleich das Kotzen!“ Dann ging er mit forschem Schritt auf sie zu und riss am Kragen ihrer Bluse. Die Druckknöpfe platzten förmlich auf und als sich der viel zu weite Stoff über ihre Schultern schob, entfuhr der Kleinen ein unterdrückter Schrei. Die Bluse fiel zu Boden und wurde sofort von einem der anderen mit dem Fuß weggekickt. Der Kerl lachte unnötig gemein, nutzte den Überraschungseffekt und war schon dabei an ihrem Rücken die Verschlusshaken ihres BHs zu öffnen. Mir fiel auf, wie sehr das Mädchen trotz allem noch versuchte mitzuspielen, keine Spielverderberin zu sein, wie sehr sie versuchte, ihre Gefühle unter Kontrolle zu bekommen. Sie presste sich den offenen BH jetzt mit den Händen vor die nackte Brust und gab zugegebenermaßen ein recht klägliches Bild ab. Hände griffen jetzt von allen Richtungen nach ihr und ehe sie etwas tun konnte, zog ihr einer der Männer mit einem schnellen Griff den BH weg.

 

Erotische Kunst von Desperado Maria Eros 

Verzweifelt versuchte sie noch den Mann abzuwehren, aber nur eine Sekunde später schwenkte er seine Trophäe schon grinsend in der Luft. Sie verschränkte ihre Arme, um ihre nackten Brüste vor den Augen der anderen zu bedecken.
Ich sah mir das Mädchen an und las die Scham in ihren Augen, entdeckte erste kleine Tränen in den Augenwinkeln. Dabei war sie viel hübscher als die meisten ihrer Peinigerinnen. Unwillkürlich machten sich meine Gedanken selbstständig und ich stellte mir vor sie anzufassen, ihr Haar zu berühren. Unbewusst fasste ich mir an die Hose und stellte erschrocken fest, dass ich eine Erektion hatte. Meine Shorts wölbten sich sichtlich. Noch richtete sich die gesamte Aufmerksamkeit auf das Mädchen, doch ich wagte nicht mir vorzustellen, was passieren würde, wenn die feixende Menge es bemerkte. Allein dieser Gedanke reichte, um mich wieder einigermaßen abzuregen.
Eine der Frauen hatte ihren Kopf stolz erhoben und kam hüftschwingend auf die Kleine zu. Dann stieß sie das Mädchen leicht an der Schulter und sagte mit arrogantem Ton: „Du gehörst gar nicht hierher, so wie du aussiehst. Los, verzieh dich, du Nichts!“
„Hey Affe“, tönte es hinter mir. „Los, zieh dein sexy Höschen an. Und dann tanzt du für uns, ist das klar?“ Dabei zog er kurz am Stoff meiner Boxershorts und hielt sich kichernd die Hand vor den Mund, als ich nach ihm schlug.
Es kamen noch andere, viel diskriminierender Bemerkungen aber ab einem bestimmten Maß unterscheidet man sie nicht mehr. Ich versuchte sie auszublenden, mir klar zu machen, dass diese Leute nur ihre Rolle spielten, in Wirklichkeit völlig normal, vielleicht sogar sympathisch, waren, aber es funktionierte nicht. Da fiel mir etwas ein. Den Urlaub verbringe ich meist beim Freeclimbing. Und manchmal ist es schon passiert, dass ich mir die Hand verletzte oder mit dem Seil verbrannte. Dann habe ich einen Trick: ich versuche mich im Panorama der Landschaft vor mir zu versenken und meinen Atem zu beruhigen. Und je besser mir das gelingt, desto weniger spürte ich vom Schmerz. Nur dass es hier keine Landschaft gab. Um mich herum waren nur verzerrte Gesichter und abwertende Gesten. Der einzige ruhige Punkt war das hübsche Mädchen neben mir, das wie eine Schwester das gleiche Schicksal teilte. Ohne nachzudenken hielt ich ihr meine Hand hin und war nicht überrascht, als sie ihre schmale sofort hinein legte. Die Situation machte aus uns so etwas wie Komplizen. Sie sah mich an und ich lächelte, versuchte ihr einen kleinen Rest ihrer Würde zurück zu geben. Dann zog ich sie an mich und schoss meine Arme um ihre Schultern. Verkrampft hielt sie sich an mir fest und drückte ihr Gesicht schützend an meine Brust. Auch ich schloss meine Augen und versenkte mich ganz in die Berührung mit dem fremden Körper. Ich roch ihr frisch gewaschenes Haar, die fremde Haut. Meine Erregung wuchs wieder, mehr denn je. Und so, wie sich mein steifer Schwanz am Bauch meiner Leidensgenossin rieb, musste auch sie es bemerken.
Wie auf Kommando kamen Bemerkungen wie: „Puh, hat der einen Geschmack. Arme Sau. Da mach ich´s doch lieber mit einer Oma. Ekelhaft.“ Einer der Männer wiederholte nur immer wieder provokant das Wort: „Dreck!“
Ganz kurz wallte wieder Wut in mir auf; unglaublich, wie mir dieses ganze geisteswissenschaftliche Pack auf die Nerven ging. Gleichzeitig wurde ich irgendwie den Verdacht nicht los, dass manche dieser Idioten echten Spaß daran hatten uns zu quälen. Doch so, wie wir jetzt da standen, hatte ich plötzlich das Gefühl, dass keiner es mehr schaffte wirklich zu uns durchzudringen. Wir waren als Einheit stark wie eine Festung. Langsam wurde mein Atem ruhiger; ich genoss förmlich die Ablenkung, die das anonyme Mädchen mir bot. Und während es für mich dieser Ablenkungseffekt war und ich mich immer mehr entspannte, bedeutete ich für sie anscheinend so etwas wie ein rettender Strohhalm. In unserer Umarmung verkrampfte sie sich förmlich, presste ihren Kopf an mich und zitterte trotz der Hitze des Kamins vor Aufregung. Langsam strich ich ihr beruhigend über die Schulter und brummte eine leise Melodie in ihr Ohr, das sie an meine Brust gepresst hatte. Gerade laut genug, um die meisten der hässlichen Kommentare zu übertönen. Sie wurde tatsächlich ruhiger und ihre Umklammerung löste sich allmählich.
„Sie können dir nichts, gar nichts“, flüsterte ich ihr ins Ohr. Wenn ich es schaffte sie abzulenken, hätte sie es leichter. „Sie sind gar nicht da. Nur du und ich. Sag mir deinen Namen.“ Ich wartete darauf, dass sie etwas sagte, aber sie schüttelte nur kaum merklich den Kopf.
„Wie eine Nutte!“, rief eine der Frauen viel zu laut.
Plötzlich glühte so etwas wie ein Draht in mir durch. Die Sinnlosigkeit dieses ganzen unmenschlichen Experiments drängte sich mit solch einer Wucht in mein Bewusstsein, dass ich an mich halten musste, nicht um mich zu schlagen. Die wenigen Minuten, die wir hatten ertragen müssen, waren anscheinend genug, um diesem Mädchen den schlimmsten Abend seines Lebens zu bescheren.
„Ok“, sagte ich, ließ sie los und drehte mich mit einem Ruck um. „Notfallcode. Schluss und vorbei.“
Ich las ohne ein weiteres Wort eilig meine Kleider vom Boden auf, drängte mich grob durch die grölende Menge und stapfte zum Bad. Ich hatte höllische Kopfschmerzen. Mit einem Scheppern warf ich die Tür hinter mir zu, holte ich erst einmal tief Luft und bestieg, nachdem ich auch noch mein letztes Kleidungsstück abgeworfen hatte, die Dusche. Die Hände vor mir an die weißen Kacheln gestemmt ließ ich mir das lauwarme Wasser des Massagestrahls ins Gesicht prasseln.
Diese verdammte Clara, ging es mir immer wieder durch den Kopf. Ich malte mir in Gedanken aus, wie ich sie anbrüllte, vielleicht sogar ohrfeigte.
Plötzlich spürte ich eine Hand auf meinem Rücken. Ich fuhr herum, wütend, die Faust geballt und bereit jemandem das Gesicht zu Brei zu schlagen.
„Sina. Ich heiße Sina“, sagte sie und schlüpfte zu mir in die Dusche. Sie war nackt und ich konnte einfach nicht anders, als mir den Körper der Frau, die ich da draußen gerade noch zitternd vor Beschämung in den Armen gehalten hatte, mit durchaus schamlosem Blick anzusehen. Von ihrem hübschen, jungen Gesicht bis zu den langen Beinen und wieder nach Oben. Bei ihren Augen blieb ich hängen. Sie waren noch rotverweint und plötzlich presste sie sich wieder an mich, hilflos wie ein Kind. Ich hielt sie minutenlang, ließ sie ausheulen, dann küsste ich ihre Augen, bis die Küsse anfingen sie zu kitzeln und sie lachen musste. Anscheinend hatte ich das Richtige getan, denn sie entspannte sich zunehmend und die gesamte angesammelte Anspannung in ihr löste sich. Sie sah mich an und ehe ich wusste, was passierte, war ihr Mund auf meinem Gesicht, suchte den meinen. Meine Hände griffen in ihr nasses, lockiges Haar, das immer noch seinen Duft verströmte und ihre Zunge in mir fühlte sich perfekt an. Von diesem Augenblick an verschwamm jegliches Zeitgefühl in mir.
Wir wuschen uns den ganzen verdammten Abend von der Haut und während ich ihre Schultern einseifte strich sie immer wieder über die dichten Haare auf meiner Brust. So, wie Sina mich anfasste, mich ansah und sich anfassen ließ, erregte sie mich auf eine unglaubliche Weise. Mein Schwanz berührte ihren Bauch und ihre Arme streiften ihn wie zufällig immer wieder und ich spürte, wie er immer steifer wurde, ohne dass Sina es zu bemerken schien. Scheu wie ein Reh, ging es mir durch den Kopf und das reizte mich. Ich strich mit meinen Zeigefingern von ihren Schultern über die Erhebungen ihrer Brüste bis ich die kleinen Warzen ganz leicht berührte, fast wie eine Feder. Sina stöhnte leise auf und schloss die Augen. Sie genoss es eine Weile, nahm dann meine Hand und schob sie über den Seifenfilm tiefer, über den flachen Bauch bis zu dem dichten Schamhaar zwischen ihren Beinen. Dort ließ ich sie verweilen, achtete auf ihre schneller werdende Atmung und schob einen Finger zwischen ihre Lippen. Sie war dort, an ihrer weiblichsten Stelle, geschwollen, offen, bereit. Warm und glitschig. Und während ich sie rieb, so wie ich es immer tat, wenn ich wusste, eine Frau brauchte es, wuchs mein Schwanz fast bis es schmerzte. Ich schloss die Augen, gab mich unseren Körpern hin und genoss es, als ich spürte, wie sich ihre Hand um das harte Ding in meiner Körpermitte schloss. Fast ohne Druck, weiblich vorsichtig, fing sie an mich zu wichsen. Ich brauchte es schneller, härter und begann mich gegen sie zu stoßen. Dabei packte ich mit der freien Hand ihren Hintern und stellte mir vor mich statt in ihrer Hand in ihrem Schoß zu bewegen, gleich in sie zu spritzen. Sina kam fast ohne einen Laut, leise, zurückhaltend, so wie sie eben war. Nur an der typischen Feuchtigkeit, die ich trotz der prasselnden Dusche über uns an meinen Fingern fühlte, und einem leichten Versteifen ihres Körpers konnte ich es erkennen. Nur eine Sekunde, und der Moment war vorbei. Ich strich noch einmal über die weiche Haut ihres Bauchs und legte meinen Arm um ihre Hüfte, zog sie zu mir. Sie hing locker, fast erschöpft atmend, im Schutz meines sicheren Griffs, den ich ihr bot. Ich kannte Sina nicht, hatte kaum ein Wort mit ihr gesprochen. Aber so, wie sich ihr Körper jetzt an mich schmiegte, fühlte es sich für mich richtig, nahezu perfekt an. Besser und authentischer als bei jeder anderen Frau, die mich jemals für eine Nacht gebucht hatte. Sie musste gespürt haben, wie schwer es mir fiel mich von ihr zu trennen, vielleicht auch an meinem Penis, der immer noch waagerecht von mir ab stand und sie manchmal am Bauch berührte. Denn als ich meine Arme lockerte und sie frei geben wollte, zögerte sie, fasste mir durch die Wasserwand des Duschstrahls ins Gesicht und schien mit den Fingern Nase, Ohren und Mund zu erkunden. Sie sah sich mit vertieftem Blick alles genau an, fast als wollte sie sich jedes Detail meiner Kanten und Nischen genau einprägen, ja, fast als suche sie etwas. Dann strich sie, ohne den Blick von meinen Augen zu nehmen, mit ihrer Hand wieder langsam über meine Brust, tiefer über meinen Nabel und blieb an meinem harten Schwanz hängen. Bei der ersten Berührung schwoll er, so hart er auch schon war, wie elektrisiert noch mehr an. Vorsichtig, eigentlich viel zu vorsichtig, spielte sie mit meiner Vorhaut und rieb bis ich das Gefühl hatte zu platzen.

 

Leck mich auf ist eine Anthologie erotischer Geschichten vierschiedener Autoren. Herausgeber ist Martin Jankowski und verlegt wird der Band von unserem Portal "Erotisches zur Nacht"

Ich bin viel größer als die meisten Frauen; auch Sina ging mir nur bis zur Schulter. Deshalb musste sie sich auf die Zehenspitzen stellen um mir etwas ins Ohr zu flüstern.
„Komm in mir!“
Ihr Flüstern war wie ein Angebot und gleichzeitig eine Bitte. Ich muss gestehen, dass ich für einen Augenblick versucht war mein Ding einfach rein zu stecken und die Sache zu beenden. Wenn man aber gelernt hat, im Job professionell mit Geschlechtsverkehr umzugehen, hat man so etwas wie eine Sicherung eingebaut, die Schlimmeres verhindert. Ich schloss also die Augen, arbeitete intensiv daran meinen Hormonpegel wieder in den Griff zu bekommen und holte tief Luft, presste sie durch die Nase wieder heraus.
„Ich will dich auch. Aber …“, versuchte ich vergeblich ihr noch mit geschlossenen Augen zu erklären, was in mir vorging, welcher Kampf in mir tobte. Ich hatte schon lange nicht mehr das Gefühl gehabt, eine Frau so sehr zu wollen wie dieses scheue, nasse Mädchen vor mir. Vorsichtig löste ich mich von ihr, trat ein paar Schritte zurück und lehnte mich mit dem Rücken an die Wand hinter mir. Das Kopfkino in mir begann und ich fing an mich selbst, schnell atmend, zu wichsen. Ich wollte zu einem Ende kommen, einfach nur spritzen. Also gab ich mich völlig meinen Bewegungen hin, war mit mir alleine, als das warme Wasser plötzlich immer wärmer wurde bis es gerade so erträglich war. Ich sah auf. Sina hatte offensichtlich an der Armatur gedreht. Sie stand jetzt vor mir, kam wieder auf die Zehenspitzen und zog sich wie ein Kind an mir hoch. Ohne Nachzudenken packte ich ihre Oberschenkel und hob sie an, bis sie ihre Beine um mich schlang und sich fest an mich presste. Und ohne es zu wollen war ich plötzlich in ihr. Ohne Gummi und überhaupt nicht professionell. Automatisch schlug eine Alarmanlage in mir an aber ich hörte Sina stöhnen und spürte ihre Bewegungen während sich meine Lenden selbstständig machten. Wir verschmolzen in einem harten und gleichzeitig weichen Rhythmus bis ich mich nicht mehr halten konnte. Ich spritzte, schrie alles heraus und spürte, wie sie ein zweites Mal kam, mir mit den Muskelkontraktionen ihrer Scham die letzten Tropfen heraus saugte.
„Du bist wirklich süß.“ Das war das erste, was ich ihr sagen konnte, als wir beim Abtrocknen voreinander standen. Wir umarmten uns ein letztes Mal, vereint in der Erinnerung an diesen fast missglückten soziologischen Abend. Es fiel kein Wort darüber, was geschehen war; es gab einfach nichts zu sagen.
Eigentlich hatte ich keinerlei Bedarf den Abend in dieser Villa zu beenden, wollte dem seltsamen Grüppchen ohne ein weiteres Wort den Rücken kehren und sie ihren soziologischen Ergüssen überlassen, aber Professor Wünsler entdeckte mich, als ich mir meine Jacke von der Garderobe nahm.
„Albert“, kam er freudestrahlend und völlig gelöst auf mich zu. Er reichte mir die Hand. Und obwohl ihm meine versteinerte Miene nicht verborgen geblieben sein konnte, lächelte er mich weiter an, als wäre nichts passiert. „Sie waren phantastisch, Albert. Mit fast allen Gemütszuständen, die so im Allgemeinen beschrieben werden. Insgesamt sehr nachvollziehbar, ihre Verstimmung. Deshalb bin ich, ehrlich gesagt, auch gar nicht großartig erstaunt, dass Sie sich vorzeitig zurück ziehen. Aber nichts für ungut. Jetzt beruhigen Sie sich erst mal ein bisschen und in ein paar Wochen lade ich Sie und Clara mal zu uns nach Hause ein.“ Er winkte Clara auffordernd, die in einer Gruppe am Kamin stand und sich anscheinend angeregt unterhielt. Sie warf uns einen zögernden Blick zu, kam dann aber doch langsam zu uns herüber.
„Clara, ich habe deinem Freund gerade gesagt, dass wir bald mal bei uns essen könnten, das lässt sich doch sicher einrichten?“, wiederholte er und sein Blick wechselte zwischen Clara und mir. Ich las immer noch die Befriedigung angesichts des gelungenen Abends in seinem zufriedenen Gesicht.
Clara nickte fast unmerklich und sah mich mit unschuldiger Miene an. „Ja, ich denke das wird kein Problem sein. Wir freuen uns.“
Ich nickte ebenfalls und ein Schmunzeln huschte über mein Gesicht. Ich leckte mir über den Mund, schob mich nahe an sie heran und presste meinen Mund so heftig auf ihre überraschten Lippen, dass sich ihr Oberkörper nach Hinten bog. Ich hielt sie fest und ihre Arme ruderten ins Nichts. Demonstrativ langsam schob meine Zunge tief in sie und strich zum Abschluss noch mal mit der Hand frech über ihre Brüste. Clara sah mich erschrocken an und ich wischte sich mit dem Handrücken den glänzenden Speichel vom Mund.
„Da hört sich nach viel Spaß an“, sagte ich und ließ sie wieder los. Ich wandte mich wieder an den Professor. „Ich heiße übrigens Philipp und wurde für diesen Abend bei einer Agentur gebucht. Aber wenn Clara möchte und mein Terminkalender es zulässt, werde ich dabei sein.“
Als ich ging, warf ich noch einen letzten Blick ins Wohnzimmer und sah Sina an der Seite eines dieser Geisteswissenschaftler. Sie hatte ein Glas Rotwein in der Hand und der Arm des deutlich älteren Mannes lag besitzergreifend auf ihrer Hüfte. Jetzt gehörte sie also wieder zur Gruppe. Und wenn man sich die Mühe machte und genau hinsah, konnte man noch das kleine, verunsicherte Mädchen in ihr entdecken.

 

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